Rezensiert:

Stephan Häupel, Eberhard Schramm

Schmalspurbahnen um Thum

Verlag Kenning, 191 Seiten, 35 Farbabbildungen, 314 S/W-Fotos sowie 109 Grafiken ISBN 3-933613-39-6, Preis: 34,80 €

Durch den Verlag Kenning ist eine weitere Lücke im Angebot sächsischer Schmalspurstreckenporträts geschlossen worden: Im April erschien das neue Buch „Schmalspurbahnen um Thum“.

Um es gleich vorwegzunehmen: Mit diesem Titel ist den Autoren ein sehr gutes und umfassendes Werk gelungen, welches auch den anspruchsvollen Leser zufriedenstellt. Wer sich bisher mit dem Thema Thumer Schmalspurnetz befassen wollte, war auf den 1993 im Bufe-Verlag erschienenen Titel „Das Thumer Schmalspurnetz“ angewiesen. Dieses Buch konnte jedoch allein schon wegen seines unsagbar schlechten Schriftsatzes, welcher an eine Schülerzeitung erinnert, nicht befriedigen. Um so erfreulicher ist es, daß es nunmehr ein akzeptables Streckenporträt über das einzige erzgebirgische Schmalspurnetz gibt.

Die Autoren beschreiben im Text alle wesentlichen Aspekte der Streckengeschichte, angefangen bei den Bemühungen um den Streckenbau über die einzelnen Staatsbahnepochen und die Stillegung bis hin zu den heute noch vorzufindenden Zeugen der Bahngeschichte. Augenscheinlich war es schwierig, über das Schmalspurnetz in der DRG/DRB-Zeit zu recherchieren, da über diese Epoche nur wenige Sätze zu finden sind. Ein guter Zug ist der Abdruck gesonderter Kapitel über Zeitzeugnisse aus der DDR-Epoche, wie die Auszüge aus dem „2. Brigadebuch der Lok-Plangemeinschaft Thum“ oder die Erinnerungen des bekannten Eisenbahnfotografen Karl Wolf an die Einstellung der Strecke Meinersdorf – Thum.

Ebenfalls sehr überzeugend ist – wie bei Kenning gewohnt – die Ausstattung des Buches mit Fotografien. Im Schwarzweiß-Bereich sind die größten Höhepunkte mit Sicherheit einige Vorkriegsaufnahmen. Unter anderem befindet sich im Buch eine Aufnahme der am frühesten ausgemusterten IV K 99 517 (1926 nach Unfall) sowie auch der erstgebauten Lok dieser Gattung (99 511). Im Farbbildbereich wartet der Titel ebenfalls mit Raritäten auf, die zum Teil schon um 1960 entstanden sind. Wermutstropfen hierbei ist allerdings, daß – von den Bildern der Anschlußbetriebe in Schönfeld-Wiesa und Wilischthal sowie von alten handkolorierten Postkarten abgesehen – alle Farbabbildungen die Teilstrecke Meinersdorf – Thum zeigen. Auch von den beiden zeitiger stillgelegten Streckenästen von Thum nach Schönfeld-Wiesa und Wilischthal existieren farbige Fotografien, die das Buch noch mehr bereichert hätten. Gemessen an der Gesamtleistung, die Verlag und Autoren dem Leser liefern, fällt dieser kleine Mangel jedoch nicht ins Gewicht.

Fazit: Während der Lektüre des Buches vergeht die Zeit wie im Fluge. „Schmalspurbahnen um Thum“ ist ein absolutes Muß im Bücherschrank eines jeden Schmalspurfreundes.

Holger Drosdeck


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