Rezensiert:

Holger Drosdeck, Wilfried Rettig

Die Eisenbahnstrecke Aue – Adorf und die schmalspurige Wilzschtalbahn Schönheide Süd – Carlsfeld

Verlag Jacobi, ca. 200 Seiten, 62 Farbabbildungen, 218 Schwarzweißfotos sowie 23 Grafiken, Preis: ca. 35,00 €

Während auf dem Schmalspursektor zu nahezu jeder sächsischen Strecke inzwischen ein oder mehrere Bücher erschienen sind, gibt es über den Großteil der Regelspurstrecken noch keine ausführlichen Publikationen, die sich im Einzelnen einer bestimmten Strecke widmen. Eine Symbiose aus Regel- und Schmalspurstreckenporträt stellt das neu erschienene Werk „Die Eisenbahnstrecke Aue – Adorf und die schmalspurige Wilzschtalbahn Schönheide Süd – Carlsfeld“ dar, welches unter der gemeinsamen Federführung von Holger Drosdeck und Wilfried Rettig entstand. Das Buch im A4-Format stellt gleichzeitig das erste Buch im Hartpappeinband aus dem Verlag Jacobi dar.

Wie der Titel verrät, handelt die Publikation von der Strecke Chemnitz – Aue – Adorf (CA-Linie) den südlichen Streckenteil Aue – Adorf ab und widmet sich im Anschluß daran dem Abschnitt Schönheide Süd – Carlsfeld der ehemaligen Schmalspurbahn Wilkau-Haßlau – Carlsfeld. Sämtliche relevanten Themen, wie Vorgeschichte, Bau und Eröffnung, Betrachtungen über die Betriebszeiträume, Stillegung und Streckenrückbau, Fahrzeugeinsätze und Unfallgeschehen sind im Buch berücksichtigt. In Buchmitte befindet sich ein Kapitel zur Strecke Zwotental – Klingenthal, da diese Strecke 1875 im Zusammenhang mit der CA-Linie entstanden ist, und zwar ebenfalls unter Regie der Chemnitz-Aue-Adorfer Eisenbahngesellschaft.

Des weiteren gibt es je ein Kapitel über die Arbeit von vier Eisenbahnvereinen. Im Einzelnen wird auf den Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen e. V. eingegangen, auf den Vogtländischen Eisenbahnverein Adorf e. V., die Eisenbahnfreunde Klingenthal e. V. und auf die Museumsbahn Schönheide e. V. Somit bietet das Werk auch erstmals einen Überblick über die umfangreichen Eisenbahnvereinsaktivitäten im Vogtland, die im Zusammenhang betrachtet ein Gesamtkonzept bilden. Zu Lesen ist das Buch locker und „unanstrengend“, es geht einen angenehmen Mittelweg aus Sachbuch und unterhaltender (Hobby-)Literatur.

Für den einen oder anderen Leser etwas gewöhnungsbedürftig ist vermutlich die Tatsache, daß erstgenannter Autor sich dazu entschloß, über den gesamten Zeitraum der Geschichte die heute aktuellen Bahnhofsnamen zu verwenden. Ist es doch historisch gesehen nicht korrekt, wenn beispielsweise behauptet wird, 1916 sei im Bahnhof Siebenbrunn ein Güterzug entgleist, denn damals hieß dieser Bahnhof „Markneukirchen-Siebenbrunn“. Begründet wird die Vorgehensweise mit der nicht gegebenen Übersichtlichkeit für den Leser, wenn für sechs Bahnhöfe 14 verschiedene Namen ins Spiel gebracht würden.

Eine absolute Schatztruhe stellt das Buch im Hinblick auf die Bebilderung dar. Auf zahlreiche, z. T. völlig unbekannte Privatsammlungen griffen die Autoren zurück und bescherten dem Buch eine Reihe an raren Farbaufnahmen in allen Kapiteln. Insbesondere von der Schmalspurbahn Schönheide Süd – Carlsfeld, aber auch von der CA-Linie der sechziger Jahre mit den ersten V 100 und V 180 waren bisher kaum Farbfotos an die Öffentlichkeit gelangt.

Fazit:
„Die Eisenbahnstrecke Aue – Adorf und die schmalspurige Wilzschtalbahn Schönheide Süd – Carlsfeld“ ist insgesamt ein äußerst gelungenes Buch, welches vorbehaltlos in den Bücherschrank eines jeden Freundes sächsischer Eisenbahngeschichte gehört. Insbesondere für den, der eine gute Bebilderung für ein Muß hält, sei die Publikation empfohlen.

Tom Bornstein

Anmerkung zur Verfügbarkeit des Buches: Erstmals angeboten wird das Werk beim 12. Dresdener Dampflokfest im Mai 2003. Wer es bestellen möchte, tut dies idealer Weise nicht beim Verlag Jacobi, sondern direkt beim FHWE. Bestelladresse: Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen e. V., Stichwort „CA-Buch“, Am Zieger 28, D-07973 Greiz. Über diesen Bestellweg kommen sämtliche Verkaufserlöse dem FHWE zu Gute!


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