Rezensiert:

Thomas Böttger

Reichsbahn, Ruß und Rollfilm

Bildverlag Thomas Böttger, 112 Seiten, 32 Farbabbildungen, 91 Schwarzweißfotos sowie 17 Grafiken, ISBN 3-9808250-3-5, Preis: ca. 15,80 €

Mit seinem neusten Buch „Reichsbahn, Ruß und Rollfilm“ betätigt sich der sächsische Herausgeber und Verleger Thomas Böttger nun auch als Buchautor. In seinem Werk beschreibt er sozusagen seine eigenen Memoiren in Bezug auf das Eisenbahnhobby. Dieser „Lebenslauf“ liest sich interessant und unterhaltsam, stellt er doch einmal nicht unbedingt die Maschine, sondern den Menschen beim Thema Eisenbahn(hobby) in den Vordergrund. Das Buch bildet somit ein anderes Genre ab als die meisten Eisenbahnbücher, bei denen es mehrheitlich um Lokomotiven, Wagen oder bestimmte Strecken geht.

Seit den siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts fand auch in der DDR die Eisenbahnfotografie unter der Bevölkerung als Hobby eine immer größere Verbreitung. Was bringt einen Menschen eigentlich dazu, in der Freizeit Hunderte von Kilometern zurückzulegen und unzählige Stunden mit dem Fotoapparat am Schienenstrang zu warten? Welche Faszination übt die Eisenbahn auf junge Männer aus, so daß diese sich vorsätzlich und „freiwillig“ Ärger mit verschiedenen Sicherheitsorganen aussetzten? Viel Papier ist dazu schon geschrieben worden. Und dennoch stellt Thomas Böttger das Thema aus seiner ganz eigenen Sicht dar, anders als andere Autoren.

Daß die Transportpolizei in der DDR nicht ausschließlich Fotoverhinderer war, sondern Eisenbahnbahnfreunden auch nicht selten Zugang zu Bahnbetriebswerken verschaffte und somit tatsächlich manchmal als „Freund und Helfer“ auftrat, ist ein Beispiel hierfür, wie der Autor bisherige Aussagen und Auffassungen aus einem neuen Blickwinkel beleuchtet. Amüsant sind die Ausführungen dazu, welche Situationen es zum Teil zu meistern galt, wenn Thomas Böttger seine „Westbekanntschaft“ mit auf Fotopirsch nahm.

Nicht zuletzt liest sich „Reichsbahn, Ruß und Rollfilm“ ein bißchen wie ein Stück DDR-Nostalgie. Auch über einige Sätze zur Beschaffung von brauchbarem ORWO-Film-Material oder EDV-Nummernschildern für die Lok 86 501 kann man aus heutiger Sicht schmunzeln. Die Qualität der Fotos muß, wie beim Bildverlag Thomas Böttger fast üblich, sehr differenziert betrachtet werden. Keine Kritik ist an den Schwarzweißaufnahmen zu üben. Aus den Farbfotos wäre bei professioneller Bearbeitung wiederum wesentlich mehr herauszuholen gewesen – von den Aufnahmen einmal abgesehen, die absichtlich die z. T. miserable Qualität der ORWO-Filme der achtziger Jahre belegen sollen.

Fazit: Wer auf dem Gebiet der Eisenbahnliteratur einmal eine Abwechslung zu Baureihen- und Streckenporträts sucht, wird mit „Reichsbahn, Ruß und Rollfilm“ fündig. Das Buch liest sich unterhaltsam, viel zu schnell ist man am Ende angekommen. Somit kann es zum Kauf empfohlen werden.


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