Rezensiert:

Steffen Kluttig

Eisenbahnhistorie im Muldenland

Bildverlag Thomas Böttger, 128 Seiten, 32 Farbabbildungen, 91 Schwarzweißfotos sowie 17 Grafiken, ISBN 3-9808250-4-3, Preis: 24,50 €

Weitaus besser als „Die Elstertalbahn“ ist der neue Titel „Eisenbahnhistorie im Muldenland“ einzuschätzen. Und dennoch kommt auch dieses Buch nicht an die Ansprüche heutiger Standards heran. Erschienen im Bildverlag Thomas Böttger, beschreibt es alle ehemals von Rochlitz ausgehenden Eisenbahnlinien. Das Werk kann als unterhaltsame Literatur durchaus bestehen. Das Durcharbeiten läßt sich locker und fröhlich bewerkstelligen und garantiert dem Leser auf mehreren Seiten ein Leseerlebnis.

An bestimmten Stellen haben sich aber auch in dieses Buch blamable Fehler eingeschlichen. Einige Beispiele: Auf Seite 56 ist 50 3516 abgebildet. Der dazugehörige Bildtext lautet: „Am 14.07.1982 fuhr 50 3516 (heute betriebsfähige Museumslok des Vereines Sächsischer Eisenbahnfreunde e. V.) ...“ Das sollte einem sächsischen Verlag nicht passieren, denn daß der VSE nicht 50 3516, sondern 50 3616 sein Eigen nennt, ist in der hiesigen Eisenbahnszene wohl mehr als bekannt.

Ein anderes Exempel: Auf Seite 32 wird behauptet, daß der Rochlitzer Bahnhof bei seiner Eröffnung „einst großzügig angelegt worden“ war. Auf Seite 37 heißt es dann: „... erfuhren die einst bescheidenen Bahnanlagen (...) immer wieder Veränderungen.“ Mal großzügig, mal bescheiden – ja wie waren die Bahnanlagen von Rochlitz zur Eröffnung denn nun? Am Ende der Seite 37 findet man einen der zahlreichen Umbruchfehler. Das ursprüngliche Satzende verschwand im Nirgendwo, während es auf Seite 38 mit einer Wiederholung weiter geht: „Eine erste Erweiterung der Anlagen erfolgte bereits wenige Jahre nach der Eröffnung mit dem Bau der wenige Jahre nach der Eröffnung mit dem Bau der Muldentalbahn.“ Ein anderer Seitenwechsel bietet folgenden „Lesespaß“: „Bis zu 100 Arbeiter wurden zu diesem Zweck vorüberge- wiederum eine Erweiterung.“ Und es gibt noch mehr solche „interessanten“ Ausführungen.

Insgesamt wirkt das Werk eher oberflächlich. So werden nicht alle Bahnhöfe der Strecken besprochen. Laut Autor sei das nicht erforderlich, da dies den Rahmen des Buches sprengen würde. Das stimmt – aber auch nur deshalb, weil für das Werk eine so große Schrift bei gleichzeitig vergrößerten Zeilenabständen verwendet wurde, wie allgemein bei Büchern des Böttger-Verlages üblich. Hätte man sich für eine normale Schriftgröße entschieden, so hätte man auf 128 Seiten auch mehr Inhalt untergebracht. Die Zahl der abgedruckten Gleispläne ist sehr gering, wie auch nicht von jeder Station Fotos abgedruckt sind. Apropos Fotos: Die Bildqualität muß abermals als äußerst miserabel beurteilt werden. Dies betrifft z. T. sowohl die Motivauswahl als auch wiederum die Wiedergabequalität der Farb- und auch der Schwarzweißfotos.

Fazit:
Steffen Kluttigs Buchidee ist sehr positiv, jedoch ist sein Resultat mit zu vielen Fehlern und Mängeln behaftet, um mit dem Prädikat „gut“ zu bestehen. Wer dringend ein Buch über den Bahnknoten Rochlitz und die angrenzenden Strecken sucht, sollte es kaufen. Wer ein vollwertiges Buch zu diesem Thema sucht, wird mit dem Titel keinesfalls bedient.

Holger Drosdeck


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