Rezensiert:

Ludger Kenning, Michael Kopfmann

Schmalspurbahn Zell – Todtnau

Verlag Kenning, 96 Seiten, drei Farbabbildungen, 157 SW-Fotos sowie 36 Grafiken ISBN 3-933613-49-3, Preis: 24,80 €

Auch in den alten Bundesländern gab es in den fünfziger und sechziger Jahren noch nicht überall Autobahnen, Verkehrleitsysteme und Gewerbegebiete. Anstatt dessen gab es auch hier noch unverschandelte Ortsdurchfahrten, ästhetische Fabrikgebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende und – das ist das Wichtigste: interessante Schmalspurbahnen, die durch eine herrliche Landschaft dampften. So in Kurzform die Kernaussage der neuen Streckenmonografie über die im Südschwarzwald gelegene ehemalige Schmalspurbahn Zell – Todtnau aus dem Verlagshaus Kenning für einen Leser, der sich bis dato noch nicht allzu tief mit Schmalspurstrecken beschäftigt hat, die außerhalb der östlichen Bundesländer liegen.

Die Autoren Michael Kopfmann und Ludger Kenning geben mit ihrem neuen Buch einen höchst interessanten Einblick in die von 1889 bis 1967 währende Geschichte der Bahnlinie mit 1000 mm Spurweite. Das Werk ist sowohl für den Kenner als auch für den Neuling auf dem Gebiet badischer Eisenbahngeschichte lesenswerte Literatur. Der Titel behandelt alle wichtigen Themen, die zu einem Streckenporträt gehören: Vorgeschichte und Eröffnung, die Betriebsjahre vor und nach dem Zweiten Weltkrieg, Niedergang und Stillegung, Fahrzeugpark, Streckenführung und Bahnhöfe. Der Text des Buches wurde in einwandfreiem Deutsch verfaßt, das Layout entspricht dem vom Verlag Kenning gewohnten hohen Standard. Die Bebilderung ist exzellent.

Einziger Wermutstropfen hierbei ist, daß Kenning sich nicht dazu entschließen konnte, außer den drei Umschlagfotos weitere Farbfotografien abzudrucken. Hier wurde eindeutig an der falschen Stelle gespart. Das Leseerlebnis wird dadurch aber in keiner Weise beeinträchtigt. Für denjenigen, der sich bisher vorrangig mit der Schmalspurgeschichte in der DDR befaßt hat, ist es zwar einleuchtend, aber dennoch ungewohnt, sich in manche Zusammenhänge hineinzulesen.

Beispiel Stillegung: Kein volkswirtschaftlich errechneter Gesamtnutzen führte zu den Stillegungsgedanken, keine fehlenden Omnibusse oder Lkw zögerten diese dann noch um Jahre hinaus. Nein, dem Leitgedanken des Kapitalismus folgend, war in purer Form die nicht mehr gegebene Rentabilität der Strecke für die Stillegung verantwortlich. Ob es im Gesamtmaßstab trotz weniger tausend DM Defizit pro Jahr Sinn machte, eine Bahnlinie weiter zu betreiben, daran hat in den sechziger Jahren in der BRD noch niemand einen Gedanken „verschwendet“. Allein aus diesem Blickwinkel heraus ist das Kapitel Schmalspurbahn Zell – Todtnau spannend.

Fazit:
Kopfmann und Kenning haben hier ein interessantes Stück Literatur geschaffen. Mit 24,80 € stimmt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Wer sich deutschlandweit für das Thema Schmalspurbahnen interessiert, dem sei das Buch sehr empfohlen.

Holger Drosdeck


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