Rezensiert:

Wolfram Wagner, Reinhart Hupfer

Geschichte und Geschichten der sächsischen Schmalspurbahn Goßdorf-Kohlmühle – Hohnstein

herausgegeben vom Schwarzbachbahn e. V., hergestellt in der Druckerei Robert Arnold 2003, A4-Broschüre, 84 S., 90 s/w und farbige Abb., ISBN – ohne (nicht angemeldet),Preis: 14,90 Euro

Es ist vollbracht: Seit Dezember 2003 kann zur Schmalspurbahn Goßdorf-Kohlmühle – Hohnstein eine neue Broschüre erworben werden! Sie besticht beim ersten Durchblättern durch einen sehr sauberen Druck, eine hochwertige Bildwiedergabe und eine lockere Gestaltung, die einen angenehmen Lesegenuß verspricht. Inhaltlich bietet sie im wesentlichen den aktualisierten und ergänzten Text der 1984 von der DMV-AG 3/58 (Traditionsbahn Radebeul Ost – Radeburg) herausgegebenen Broschüre von Wolfram Wagner und Wolfgang König: „Die Geschichte der Schmalspurbahn Goßdorf-Kohlmühle – Hohnstein 1897-1951“. Liebevoll zusammengetragene „Geschichten“ am Rande der Eisenbahn bereichern die neue Broschüre ebenso wie touristische und kulturelle Ergänzungen, die viel Lust verbreiten, selbst (wieder einmal) auf den Spuren dieser Linie zu wandeln.

Mit der Strecke gut vertraute Eisenbahnfreunde wird es freuen, in der Broschüre fast alle derzeit bekannten Aufnahmen von der KH-Linie zu finden. Der Rezensent hatte sogar ein, zwei der abgedruckten Eisenbahnaufnahmen bisher noch nie gesehen. Warum hingegen wichtige Fotos – z. B. von 99 555 mit dem letzten Zug vor dem Empfangsgebäude in Hohnstein 1951 oder vom Lokschuppen in Kohlmühle – keine Aufnahme in die Broschüre fanden, wirft Fragen auf.

Fragen, warum man nicht 50-70 Jahre eher geboren wurde, werden sich sicher viele Betrachter der fünf Zeichnungen von Peter König aus Aue. Sie laden ein, von vergangenen Zeiten zu träumen. Gleichermaßen wird es Eisenbahnhistoriker und Modelleisenbahner begeistern, in der Broschüre die Berainungspläne aller Stationen der KH-Linie zu finden – sogar farbig. Doch auch viele teils eher unwichtige Aufnahmen, die den heutigen Zustand der ehemaligen Bahnstrecke zeigen, findet man als Farbabdruck. Dies wird wohl der Grund dafür sein, daß sich der Schwarzbachbahn e. V. als Herausgeber entschieden hat, anstelle eines Buches mit Hartpappeinband eine Broschüre drucken zu lassen.

Ist dies leicht zu verschmerzen, so stören vor allem typographische Mängel den Lesefluß. Mehrere teils blamable inhaltliche Fehler bei den Aktualisierungen und Ergänzungen – z. B. soll 99 1606-5 bis 1989 noch auf der Strecke Wolkenstein – Jöhstadt eingesetzt worden sein (S. 34) – lassen sich erklären, wenn man weiß, wer die Broschüre erstellt hat: Mitarbeiter einer Projektgruppe in Neustadt (Sachs) unter der Leitung des Eisenbahnfreundes, aber eindeutig nicht Eisenbahnkenners Reinhart Hupfer. Eisenbahnexperte Wolfram Wagner – ursprünglich gar nicht als Mitautor eingeplant – konnte wenige Tage vor Druckbeginn nur einen Teil der Schnitzer entfernen.

Dem Anspruch des Schwarzbachbahn e. V., mit der Broschüre „umfassend“ zur KH-Linie zu informieren, kommt das Büchlein nur bedingt nach. Zu mehreren Themenbereichen (z. B. Fahrzeugeinsatz und -verbleib) hätten weitere Quellen ausgewertet und vor allem tiefgründigere Überlegungen angestellt werden können. Entsprechend wirkt die äußerlich so ansprechende Broschüre an einigen Stellen sehr laienhaft. Beeindruckende Fotografien wären – größer wiedergegeben – weitaus ansprechender gewesen, andere hätten getrost halb so groß sein können. Platzreserven sieht der Rezensent aber auch durch die Verwendung einer etwas kleineren Schrift sowie der professionellen Auflistung von Tabellen und Statistiken, wobei bei letzteren die Anwendung des Alphabetes mehr als wünschenswert ist!

Übrigens: Nach ersten kurzen Nachforschungen des Rezensenten konnte die Angabe bestätigt werden, man habe die Gleise der Schwarzbachbahn zum Bau des Berliner Außenringes benötigt! Allerdings kamen die Schienen natürlich nicht bei den neuen Regelspurgleisen zum Einbau, sondern fanden bei schmalspurigen Feld- und Zubringerbahnen zu den Baustellen Verwendung.

Fazit:
Trotz einiger Mängel muß unter dem Strich festgehalten werden, daß mit der neuen Broschüre die derzeit umfangreichste und beste Ausarbeitung zur KH-Linie vorliegt. Man spürt beim Lesen den Enthusiasmus der Autoren, die viele löbliche Dinge in das Werk haben einfließen lassen. Es sei deshalb – trotz Schwachstellen – zum Kauf empfohlen!

André Marks

Zu beziehen ist die Broschüre für 14,90 € (zzgl. 1,10 € für Porto und Verpackung bei einem Buch) über den Schwarzbachbahn e. V., Postfach 1125, 01812 Bad Schandau, www.schwarzbachbahn.de. Der Verein übermittelt zuvor die Kontonummer.


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