Rezensiert:

Rainer Fischer, Veikko Zirnstein:

25 Jahre Traditionsbahn Radebeul. Ein Streifzug durch die Geschichte

Hrsg.: TRR, Radebeul 1999. Preis 15 DM

Seit nun mehr einem Viertel Jahrhundert treffen sich im Lößnitzgrund Eisenbahnfreunde, um zwischen Radebeul Ost und Radeburg historische Züge mit kleiner Spur auf große Fahrt zu schicken. Rainer Fischer und Veikko Zirnstein haben den Versuch unternommen, die wichtigsten Ereignisse und viele Erlebnisse aus 25 Jahren Traditionsbahn Radebeul zu Papier zu bringen. Herausgekommen ist ein bunter Streifzug mit vielen Schwarzweißfotos durch die Geschichte des Vereins. Seit Mitte Mai 1999 ist das Jubiläumsheft "25 Jahre Traditionsbahn Radebeul" erhältlich. Auf 83 redaktionellen Seiten schildern die Autoren in der A4 großen Broschüre den schweren Anfang, die Glanzzeit in den achtziger Jahren und die Probleme der heutigen Zeit.

Bevor am 10. August 1974 der erste Traditionszug durch den Lößnitzgrund dampfen konnte, galt es wertvolle und attraktive Fahrzeuge nach Radebeul zu holen. Fischer und Zirnstein würdigen dabei vollkommen angemessen vor allem den Elan von einem Mann Fritz Hager. Ohne den damaligen Fachbearbeiter Wagen der Rbd Dresden wären wohl fast alle der heute dem Verkehrsmuseum gehörenden Zweiachser längst verschrottet. Doch auch die Verdienste der ersten Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft, Dieter Krause und Manfred Viertel, werden gewürdigt.

Informativ und gut verständlich erzählen die Autoren chronologisch zunächst die Etappen bis zur ersten Fahrt 1974. Das "Traditionsbahnzeitalter" wird Jahr für Jahr ausführlich vorgestellt. Zur Orientierung sollen dabei längs an den Außenseiten angebrachten Jahres- leisten helfen. Diese in Eisenbahnpublika- tionen eher ungewohnte Gestaltung lockert die Seiten erfrischend auf, wenn auch sicherlich einige Leser davon irritiert sein werden.

Der zweispaltige Text ist in ausreichend großer Schrift gedruckt und klar gegliedert. Aussagekräftige Statistiken sowie Abbildungen der in 25 Jahren verwendeten Fahrkarten bereichern die Festschrift inhaltlicher wie auch formaler Art. Teilweise blamabel ist hingegen die Fotoauswahl. Aus dem Fundus Hunderter Aufnahmen gelang es nicht, in jedem Fall einwandfrei scharfe Fotos oder Dias herauszusuchen. Daß dabei aus der Anfangszeit nicht immer die hochwertigsten Aufnahmen existieren, kann sicherlich toleriert werden. Unverständlich ist aber, warum beispielsweise von 1995 oder 1997 stark körnige oder unscharfe Motive ausgewählt worden sind. Der Abdruck der Fotos differiert zwischen stark graulastig und akzeptablem Kontrast. Eine Meisterleistung hat die Lommatzscher Druckerei nicht vollbracht. Bei den Farbaufnahmen verleiht die typische Orwo-Stichigkeit vielen Aufnahmen ein zusätzliches Flair.

Die Motivauswahl bietet eine gute Mischung von technischen Aufnahmen bis hin zu Gruppenaufnahmen und Arbeitsbildern. Ob nun ausgerechnet aber ein Kegelausflug dokumentiert werden mußte, ist strittig. Geteilter Meinung kann man auch über das Titelbild sein. Das die Farbaufnahme hinterlegende Schwarz-weißbild verwirrt im ersten Augenblick, bis man ein vergleichsweise völlig überproportionierte Läutewerk erkennt. Doch die Titelseite stimmt damit auf das gestalterisch auffällige Layout bereits ein.

Obwohl die angefügte Werbung überlegt ausgewählt und für Touristen durchaus nützlich ist, wäre aus Anlaß des 25-jährigen Jubiläums eine inseratefreie Festschrift sicherlich besser gewesen, haftet viel Umworbenen doch oft ein Schleier mangelnder Seriösität an. Bei der Höhe der Auflage und der Förderung durch den Kulturraum Elbtal und die Stadt Radebeul fielen die Einnahmen aus den Annoncen sicherlich kaum ins Gewicht.

Trotz dieser formalen Schwachpunkte bietet die Broschüre eine Vielzahl interessanter Informationen. Von ihrer historischen Aussage her zeigt sie äußerst wertvolle Fotos. Wer weiß noch, daß 99 539 in schwarzer Reichsbahn-Lackierung am 10. August 1974 Zuglok des ersten Traditionszug war? In diesem Jahr wird sie gemeinsam mit 99 542 der Preßnitztalbahn im August auf dem "Lößnitzdackel" ihren 100. Jahrestag der Auslieferung feiern, die Jöhstädter in schwarzer, die Radebeuler Lok in Farbgebung der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen.

Der erfahrene Autor Rainer Fischer verwendet bei solchen Beschreibungen souverän die exakten Namen und Abkürzungen. Mit Erwähnung der zahlreichen "Gastspiele" des Radebeuler Traditionszuges und der Einsätze der Eisenbahner auf anderen Strecken erkennen die Verfasser der Broschüre auch diese Leistungen an. Ehemalige und heutige Mitglieder sowie die Freunde und Anhänger der Radebeuler finden eine würdige Festschrift vor. Das Vereinsleben, Aktionen der Draisinengruppe, die viele Arbeit an den Wagen und die Schwierigkeiten bei Durchführung von Traditionszügen werden treffend beschrieben. Den Autoren gelang es dabei, für Mitglieder und Kenner wie auch neue Gäste der Bahn interessant zu schreiben.

Eine Würdigung ihrer Arbeit bekamen die Traditionsbahner nicht zuletzt durch ein persönliches Vorwort des sächsischen Ministerpräsidenten und Schirmherrn der 25-Jahrfeier, Professor Kurt Biedenkopf, und des Oberbürgermeisters der Stadt Radebeul, Dr. Volkmar Kunze. Der amtierende Vereinsvorsitzende, Claus Burghardt, weißt in seinem Vorwort auf die Besonderheiten der Traditionsbahn hin, die in ihrer Form in der DDR einmalig war.

Auf die Geschichte der Veröffentlichungen der Traditionsbahn gehen die Autoren in einem gesondertem Kapitel ein. Mit der Beschreibung der problematischen Papierbeschaffung bis hin zur einzuholenden Druckgenehmigung in der DDR erinnern Fischer und Zirnstein an eine diesbezüglich schwere Zeit. Stolz können die damaligen Autoren sein, nur selten politische Phrasen übernommen zu haben, was bestimmten Berliner Buchschreibern nicht immer gelang.

Mit einer Vielzahl interessanter Publikationen schloß die Traditionsbahn seit 1990 an ihre Traditionen aus DDR-Zeiten an. Mit dem Festheft "25 Jahre Traditionsbahn Radebeul" liegt jetzt ein empfehlenswerter Streifzug durch die Geschichte des Vereins vor. Allein viele gut ausgewählte Fotos machen die Broschüre dabei auch für den Fahrzeugfreund attraktiv. Für einen fairen Preis kann das Heft deshalb nur empfohlen werden.

André Marks


"25 Jahre Traditionsbahn Radebeul" kann beispielsweise während des Einsatzes der Museumsfahrzeuge der Preßnitztalbahn auf dem "Lößnitzdackel" an allen Augustwochenenden bei den Souvenirständen der Traditionsbahn erworben werden.

Anmerkung: Die in Rezensionen geäußerten Meinungen sind Sache der Autoren und müssen nicht mit der Meinung der Redaktion oder der Vereine übereinstimmen .


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