Rezensiert:

Dirk Lenhard, Gerhard Moll, Reiner Scheffler

Die sächsische IV K Die Reichsbahn-Baureihe 9951-60

EK-Verlag, Freiburg 2004, 344 Seiten, A4-Format, über 600 Abbildungen, ISBN 3-88255-199-2, Preis 39,90 Euro

Die wohl bekannteste deutsche Schmalspur-Dampflok dürfte die sächsische IV K sein. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis der EK-Verlag eine Neuauflage des 1992 erstmals erschienenen Buches über die Baureihe 9951-60 herausbringen würde. Im Juni 2004 war es dann endlich soweit: Die „gründlich überarbeitete Neuauflage“ – so hieß es in der Ankündigung – lag in den Buchläden.

Bereits das Blättern in dem 344 Seiten (erste Auflage 336 Seiten) starken, großformatigen Buch macht Freude. Rund 600 Bilder aus allen Epochen entführen den Leser in eine längst vergangene Eisenbahnzeit. Den Autoren und dem Verlag gelang es, 89 der insgesamt 96 gebauten Gelenk-Lokomotiven im Bild zu dokumentieren. Bildauswahl, Druck und Verarbeitung lassen keine Wünsche offen. Besondere Beachtung verdienen die Bilder auf den Seiten 256 bis 261, die den Einsatz der IV K während des Ersten Weltkrieges und im Ausland belegen. Ein Extra-Lob für die sehr ausführlichen Bildlegenden, die sich nicht auf das berühmte „Wann, Wo und Wer“ beschränken, sondern auch auf Einsatz, Bauartänderungen etc. eingehen.

Doch Bilder allein machen kein Baureihen-Buch aus. Die Maßstäbe, die die Bildauswahl setzt, erfüllt der Text leider nicht immer. Dabei fallen dem Rezensenten die teilweise erheblichen qualitativen Unterschiede zwischen den einzelnen Kapiteln auf. Wirklich „gründlich überarbeitet“ sind die Kapitel über die Technik (einschließlich der Bauartänderungen) und die Modernisierung der IV K in den sechziger Jahren. Hierzu gehören auch detaillierte Ausführungen zu den Meßfahrten mit 99 585, zu der geplanten Ersatz-IV K und zum gescheiterten Projekt der Diesellok-Baureihe V 36 K. Da bleiben fast keine Fragen offen. Einen Wermutstropfen gibt es jedoch: Die zwischen 1962 und 1967 mit neuen Rahmen und Kesseln ausgerüsteten Maschinen waren zwar Quasi-Neubauten, sie aber deshalb als „Neubau-IV K“ zu bezeichnen, ist nicht korrekt. Die Deutsche Reichsbahn nannte diese Investitionen „Großteilerneuerung“. Auch der Abschnitt über die Museumsloks und ihre Einsätze ist umfassend dargestellt.

Deutliche Schwächen weisen dagegen die Kapitel über die Vorgeschichte der IV K, die Unterhaltung und den Betriebsmaschinendienst auf. Zugegeben, die Quellenlage zur Entwicklung der Meyer-Loks ist dürftig, aber zur Unterhaltung und zum Einsatz gibt es reichlich Unterlagen. Außerdem sind in den letzten zwölf Jahren zahlreiche Aufsätze und Veröffentlichungen zu diesen Themenkomplexen erschienen. So fehlen u.a. detaillierte Ausführungen zu den Unterhaltungskosten – hier stellt sich die Frage: War die IV K durch ihre Bauart teurer als andere Baureihen? – , zu den Laufleistungen sowie Daten zur Anlieferung und zur Endabnahme der Maschinen. Apropos Daten: Bei den Stationierungslisten der einzelnen Strecken geben die Autoren oft nur Jahreszahlen an, obwohl ohne größere Probleme exaktere Ausführungen (zumindest für die Zeit ab 1950) möglich gewesen wären. Zwar erheben die Autoren im Vorwort keinen „Anspruch auf Vollständigkeit und einhundertprozentige Richtigkeit“, doch Nachlässigkeiten wie z. B. die Auflösung des Bw Mügeln (31. Oktober 1967 und nicht 1970) oder die Gleichsetzung der z-Stellung (zurückstellen von der weiteren Erhaltung; siehe DV 948) als „amtlicher Abstelltag, danach ohne Einsätze“ hätten auf jeden Fall vermieden werden können.

Fazit: Textlich besitzt das Werk einige Schwächen, die jedoch durch die hervorragenden Bilder kompensiert werden. „Die sächsische IV K“ wird deshalb gewiß jeden Dampflok- und Schmalspurbahnfreund begeistern.

Dirk Endisch


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