Rezensiert:

Wolfram Wagner, Wolfgang Neubauer, Helge Scholz, Peter Wunderwald

Die Schmalspurbahn Mügeln – Döbeln

Chronik einer fast vergessenen Bahnstrecke

Wilsdruffer Bahnbücher, 252 Seiten, 22 Farb- und 120 S/W-Fotos sowie 86 Grafiken, Preis: 27,00 €

Wilsdruffer Bahnbücher kann man guten Gewissens kaufen, ohne sie vorher probehalber durchblättern zu müssen! Diese Erkenntnis dürfte für Denjenigen ein erneutes Mal feststehen, der sich den Anfang August neu erschienenen Titel „Die Schmalspurbahn Mügeln – Döbeln“ im A5-Format aus der Publikationsreihe der IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e. V. zugelegt hat. Um es kurz zu machen: Das neue Buch verdient die Note 1+. Es ist in allen Parametern kaum zu übertreffen, egal ob es um die Tiefe der Recherche, die Formulierung des Textes, die Bildauswahl, um Layout oder Druckqualität geht.

Über das Schmalspurnetz von Mügeln ist schon viel geschrieben worden, allein mehrere vollwertige Bücher erschienen über dieses Thema. Doch wer glaubt, ausgerechnet über die am zeitigsten stillgelegte Strecke des Netzes, Mügeln – Döbeln, ließe sich nichts Neues mehr sagen, der urteilte voreilig und wird durch „Die Schmalspurbahn Mügeln – Döbeln“ eines Besseren belehrt.

Den Autoren um Peter Wunderwald ist es in hervorragender Art und Weise gelungen, noch mehr Licht in das Dunkel der Strecke zu bringen. Dabei beginnen die Autoren nicht wie üblich mit einem Kapitel zur Vorgeschichte der Bahn, sondern zuerst einmal kommen die berühmten „Begebenheiten am Rande“, also amüsante Geschichten der Bahn zum Zuge. Danach folgt eine gedankliche Reise über die längst nicht mehr existierende Schmalspurbahn, und erst ab Kapitel 3 geht der „wissenschaftliche“ Teil der Streckenhistorie los. Doch auch dieser liest sich derart unterhaltsam, daß man das Buch gar nicht mehr weglegen möchte. Besonders hervorzuheben sind auch die Kapitel über den Lokomotiv- und Wageneinsatz, die mit großer Akribie ausgearbeitet wurden.

Beim Lokeinsatz wird beispielsweise auch jede der in Mügeln je vorhandenen Fremdlokomotiven dargestellt – und zwar mit Foto, nicht nur im Text. Das gilt auch für die „ominöse“ Beutelok H 13, die in Mügeln nie fuhr, aber dennoch hier vorhanden war… Das Kapitel Wagen sticht dem Leser unter anderem durch die farbigen Wagenfotos aus den sechziger Jahren ins Auge, die absolute Raritäten darstellen. Überhaupt kann es als Sensation betrachtet werden, daß von der so zeitig stillgelegten Strecke Farbfotografien aufgetaucht sind, die für das Buch Verwendung finden konnten. Aber auch bei den Schwarzweißfotos warten die Autoren mit bisher unveröffentlichtem Material auf, was bei der schwierigen Fotoquellenlage zu dieser Strecke ebenso beachtenswert ist.

Fazit: Mit „Die Schmalspurbahn Mügeln – Döbeln“ schließt sich eine weitere Lücke in der Aufarbeitung sächsischer Schmalspurbahngeschichte – und zwar auf überdurchschnittlich hohem Niveau.

Holger Drosdeck

Das Buch kann bestellt werden bei der IG Verkehrsgeschichte e. V., Postf. 31, 01723 Wilsdruff.


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