Rezensiert: Literatur zur Zittauer Schmalspurbahn

Vorbemerkung:

Nachdem es publizistisch um die Zittauer Schmalspurbahnen in den letzten Jahren ziemlich ruhig bestellt war, konkurrieren jetzt gleich zwei neuerschienene Bücher um die Gunst der Leser.

Thomas Knop:
Schmalspurbahn Zittau - Oybin/Jonsdorf

Verlag Ingrid Zeunert, Gifhorn 1999. 128 S., 174 Fotos, davon 157 farbig, ISBN 3-924335-24-7 Preis: 29,50 DM

In dem Buch von Thomas Knop wird die Entwicklung der als Privatbahn gebauten Schmalspurstrecke von Zittau nach Oybin/Jonsdorf bis zur Übernahme der Betriebsführung durch die SOEG vollständig nachvollzogen. Besonders ausführlich widmet sich der Autor der Vorgeschichte des Bahnbaus, dem Bau selbst sowie den ersten Betriebsjahren. Auch zur zweiten einst von Zittau ausgehenden Schmalspurbahn macht er einige Ausführungen. Vielleicht wäre es aber günstiger gewesen, dieser Linie ein eigenes Kapitel zu widmen.

Weiterhin enthält das Buch eine ausführliche Streckenbeschreibung mit vielen Gleisplänen einzelner Bahnhöfe. Die Zeichnungen sind dabei in sehr guter Qualität. Die Beschreibung scheinen aber schon vor längerer Zeit entstanden zu sein - einige Aussagen treffen nicht mehr zu.

Illustriert ist das Buch mit vielen Farb- und einem kleinen Teil Schwarzweißfotos, die aus dem Umfeld des Autoren stammen und ihm bescheinigen, daß er durchaus eine gewisse Beziehung zur Bahn hat. Historische Fotos sind allerdings Mangelware. Die Qualität aller Aufnahmen ist gut. Warum die aktuellsten Bilder aber aus dem Jahr 1993 stammen, läßt sich nicht nachvollziehen. Auch die Bildunterschriften geben Anlaß zur Kritik - bei vielen Aufnahmen sind sie falsch. So scheint Knop das 1992 eingeführte Loknummernsystem überhaupt nicht verstanden zu haben.

Die Beschreibung der Lokbaureihen ist sehr ausführlich und auch auf Wagen und technische Ausrüstungen wie Bremsen und Kupplungen wird eingegangen. Dazu gibt es hervorragende Zeichnungen. Warum zur IV K keine Bilder aus Zittau, sondern nur Fotos von der Döllnitzbahn und Fichtelbergbahn veröffentlicht wurden, bleibt Knops Geheimnis. Schließlich ist seit 1997 die Mügelner 99 1584 in Zittau.

Auch einige andere Fehler haben sich eingeschlichen. So wird von allen nach Stillegung der Preßnitztalbahn in den achtziger Jahren in Mügeln beheimateten IV K behauptet, daß sie Druckluftbremsen erhalten hätten (S. 93). Das entbehrt jeglicher Grundlage und Logik. Erst die Döllnitzbahn GmbH war Mitte der neunziger Jahre gezwungen, eine IV K (99 1574) mit einer Druckluftbremse ausrüsten zu lassen. Bis 1993 gab es lediglich die 1987 (!) eingeführte Saugluftbremse.

Bei der VI K fehlt der Hinweis, daß diese Loks ursprünglich für die Heeresfeldbahnen gebaut wurden und erst nach dem Ersten Weltkrieg von den Sächs. Sts. E. B. erworben wurden, wo sie sich so gut bewährten, daß man sie nachbauen ließ. 99 713 und 99 715 sind heute allerdings nicht die zwei einzigen erhalten gebliebenen Maschinen der Nachbauserie (S. 99), sondern mit 99 716 gibt es auch noch eine dritte Lok, die seit 1997 beim Öchsle sogar betriebsfähig ist.

Auf Seite 108 schreibt Knop, der "Interessenverband Zittauer Schmalspurbahnen" habe 99 4532 mit dem Ziel erworben, sie betriebsfähig aufarbeiten zu lassen. Die Lok gehört jedoch der SOEG und wird vom Interessenverband lediglich betreut. Auch eine betriebsfähige Aufarbeitung ist derzeit eher unwahrscheinlich, was eine Anfrage bei der SOEG sofort bestätigt hätte.

Fazit:

Beim Lesen des Buches zeigt sich, daß es vermutlich bereits 1993 hätte erscheinen sollen. Bei der Fülle der Veränderungen im Umfeld der Bahn reicht es aber nicht aus, sechs Jahre später ein - zugegebenermaßen sehr ausführliches - Kapitel zur SOEG anzufügen, den Rest aber unverändert zu lassen. Der Autor hätte gut daran getan, sich die Hilfe des Interessenverbandes oder eines Kenners der sächsischen Schmalspurbahnen zu sichern, denn ein solcher ist er mit Sicherheit nicht. Knops Buch ist vergleichsweise das schlechtere. Da hilft auch der günstige Preis von 29,50 Mark nichts.

Olaf Herrig


Reiner Preuß:
Die Zittau - Oybin - Jonsdorfer Eisenbahn

Transpress-Verlag, Stuttgart 1999. 126 S., 124 Fotos, davon 38 farbig, ISBN 3-613-71107-9 Preis: 29,80 DM

Reiner Preuß widmete bereits in dem 1980 bei Transpress erschienenen Buch "Schmalspurbahnen der Oberlausitz" den Zittauer Strecken einen breiten Raum. Unter dem Titel "Die Zittau - Oybin - Jonsdorfer Eisenbahn" ist jetzt von ihm eine aktuelle Monographie zur ehemaligen ZOJE auf dem Markt.

Obwohl Preuß selbst als Kenner der sächsischen Schmalspurbahnen gelten kann, hat er sich für sein Buch Hilfe bei der SOEG und beim Interessenverband Zittauer Schmalspurbahnen geholt. Dadurch hatte er Zugang zu vielen Quellen, die Thomas Knop zwangsläufig verschlossen bleiben mußten.

So gibt Preuß auch historische Schriften wie die "Concessionsbedingungen für die schmalspurige Secundäreisenbahn von Zittau nach Oybin nebst Zweigbahn von Bertsdorf nach Jonsdorf" vollständig wieder. Auch der hohe Anteil an Schwarzweißfotos, fast ausschließlich historische Motive, ist darauf zurückzuführen.

Preuß behandelt in seinem Buch ebenfalls die vollständige Geschichte der Bahn. Neben dem Kaufvertrag, mit dem die ZOJE eine Sächsische Staatseisenbahn wurde, dokumentiert er die Entwicklung auch mit Auszügen aus historischen Fahr-, Buch- und Bildfahrplänen. Selbst nicht realisierte Projekte führt Preuß an.

Sehr ausführlich fällt die Beschreibung der gebauten Strecken aus. Hierbei ist stets die historische Entwicklung der Betriebsstellen berücksichtigt. Sogar auf die Betriebsführung wird eingegangen. Sehr sauber gezeichnete Bahnhofspläne machen die Beschreibungen gut nachvollziebar und viele historische Fotos unterstreichen die Ausführungen.

Der Fahrzeugteil ist relativ knapp ausgefallen. Der Einsatz der Lokomotiven ist an Hand von Tabellen trotzdem nachvollziehbar, auf Besonderheiten wird eingegangen. Zu einigen Fahrzeugen gibt es Skizzen, die allesamt sauber gezeichnet zum Teil aber etwas spärlich beschriftet sind (S.86 und 106). Überaus lobenswert ist das Phantombild des für die Zittauer Schmalspurbahn bestellten Triebwagens. Dies läßt einen Ausblick in zukünftige Zeiten zu.

Doch auch das Buch von Reiner Preuß ist nicht fehlerfrei. Auf Seite 8 ist das Bild seitenverkehrt, auf Seite 18 steht für den ersten Bauzug in Oybin im Text ein anderes Datum als unter dem Bild. In der Tabelle auf Seite 19 sind für die Betriebsstelle Zittau-Vorstadt die Anschließerbezeichnungen vertauscht - Gruschwitz war später Textima. Auf Seite 47 hat offensichtlich der Druckfehlerteufel zugeschlagen, denn daß die erste Öllok bereits 1993 und nicht 1996 nach Zittau kam, dürfte Reiner Preuß geläufig sein. Gleiches trifft auf die Bildunterschriften auf den Seiten 55 und 57 zu. Die Wartehalle an der Teufelsmühle wurde 1973 und nicht 1993 abgerissen und die SOEG übernahm erst 1996 die Betriebsführung. Schließlich war Wagen 970-313 nicht Gartenlaube in Berlin, daß trifft auf 970-314 zu, sondern Holzschuppen in Schweta bei Mügeln.

Fazit:

Das Buch von Reiner Preuß ist vorbildlich. Auch wenn Vieles noch ausführlicher hätte dargestellt sein können, liegt gerade in der Kompaktheit die große Stärke. Bei einem Preis von 29,80 Mark erzielt das Buch ein ausgezeichnetes Preis-Leistungs-Verhältnis. Es sollte bei jedem Schmalspurbahnfreund im Regal stehen!

Olaf Herrig


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