Rezensiert:

Michael Kurth

Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn

EK-Verlag GmbH 2005, 152 Seiten, 19 Farb- und 158 SW-Fotos, sowie 72 Grafiken, A4-Format, ISBN 3-88255-587-4, Preis: 29,80 €

Nicht minder interessant als sächsische Nebenbahnen sind solche in Thüringen. Wer sich normalerweise in erster Linie für die Geschichte sächsischer Eisenbahnstrecken interessiert, für den ist es eine wohltuende Abwechslung, ab und zu auch einmal über diesen „Tellerrand“ hinauszuschauen und sich bezüglich der täglichen Eisenbahnlektüre beispielsweise einmal einer thüringischen Nebenbahn zu widmen. Zu diesem Entschluß kommt der Rezensent nach dem Lesen des neuen Buches „Die Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn - Die Geschichte einer ‚süddeutschen' Privatbahn in Thüringen“. „Süddeutsch“ deshalb, da die Strecke Ilmenau - Großbreitenbach vor dem Zweiten Weltkrieg von der Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft als Privatbahn betrieben wurde, von welcher sie das Streckenkürzel „IGE“ für „Ilmenau-Großbreitenbacher Eisenbahn“ erhielt.

In dem Werk des Autors Michael Kurth wird die Entstehung der Strecke ebenso detailliert beschrieben, wie auch die ersten Betriebsjahrzehnte. Sehr positiv fallen schon auf den ersten Seiten des Buches die sehr schönen und auch recht zahlreichen Fotos aus der Privatbahnzeit auf, die zudem durch ihre zumeist gestochene Schärfe hervorstechen. Nicht minder interessant ist der recht ausführlich geschilderte Prozeß der Verstaatlichung der Strecke im Jahre 1949.

Die folgenden Seiten, die den Betrieb der IGE zur Reichsbahnzeit zum Inhalt haben, sind für reichsbahnorientierte Leser dann mit Sicherheit der spannendste Teil des gesamten Werkes. Ein trauriges Kapitel ist in den Augen des Eisenbahnfreundes der Niedergang der Strecke, der am 31. Mai 1997 mit deren Stillegung und der folgenden, teilweisen Streckendemontage endete.

In Kurths Werk fehlen weder die zu einem Streckenportrait gehörenden Kapitel zu den Bahnanlagen, Betriebsmitteln und der Durchführung des Bahnbetriebes, noch die zur Bahnpost, Fahrplangestaltung, zum Personal sowie zu Unfällen und Betriebsstörungen. Außerdem gibt es Extrakapitel, beispielsweise zur Museumslok 91 6580, der ehemaligen SEG-Lok Nr. 400, zur Geschichte des Unternehmens Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft sowie zu weiteren korrespondierenden Themen.

Im Anhang des Buches werden sogar die genauen Wagenbestände der IGE aufgelistet, außerdem gibt es weitere, detaillierte Tabellenwerke, wie etwa zu Brückenbauten, dem Betriebsnummernschema der SEG u. a.

Fazit:
Das Buch besticht durch eine hohe Qualität in fachlicher, wie auch in verarbeitungstechnischer Hinsicht (Druck, Bindung etc.). Auch fotografisch hat der Titel so einiges zu bieten. Er kann daher uneingeschränkt zum Kauf empfohlen werden.

Holger Drosdeck


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