Rainer Heinrich, Wilfried Rettig

Die Eisenbahnlinie Werdau – Weida – Mehltheuer

Verlag Kenning, 144 Seiten, 73 Farb- und 188 SW-Fotos sowie 42 Grafiken, A4-Format, ISBN 3-933613-65-5, Preis: 29,80 €

Eine für sächsische und thüringische Eisenbahnfreunde derzeit interessante Neuerscheinung dürfte das im August erschienene Buch über die die beiden Bundesländer Sachsen und Thüringen verbindende Eisenbahnlinie Werdau – Weida – Mehltheuer sein. Mit dem Erscheinen dieses Titels schließt sich löblicherweise eine weitere Lücke in der Aufarbeitung heimatlicher Eisenbahngeschichte. Die Autoren Rainer Heinrich und Wilfried Rettig zeichnen den „Lebenslauf“ der WM-Linie (bahnamtliche Abkürzung für Werdau – Mehltheuer) auf 144 Seiten in interessanter Form nach. Bezüglich der Streckenentstehung trennen die Autoren dabei nach der „Waldbahn“, also dem Streckenabschnitt Werdau – Weida, und der „Mehlbahn“, dem Streckenabschnitt Weida – Mehltheuer. Denn beide Streckenteile wurden einst von unterschiedlichen Privatbahngesellschaften erbaut und haben daher auch eine getrennte Entstehungsgeschichte.

Alle weiteren Kapitel, wie etwa die Entwicklung des Reise- und des Güterverkehrs, der Lokeinsatz, die baulichen Anlagen – hier insbesondere die Bahnhöfe und Haltepunkte – werden aber jeweils für die Gesamtstrecke abgehandelt. Ebenso fehlt nicht ein Blick auf die an die WM-Linie angrenzenden Nachbarstrecken, ein Kapitel über die zahlreichen im Laufe der Jahrzehnte stattgefundenen Sonderfahrten und über Unfälle sowie Betriebsstörungen. Damit behandelt das Werk alle wichtigen Punkte, die zu einer ausführlichen Streckenmonografie üblicherweise dazugehören.

Insbesondere beeindruckte den Rezensenten die hohe Genauigkeit, mit der das Kapitel Lokeinsatz ausgearbeitet wurde. Dieses enthält zahlreiche Informationen, die der Allgemeinheit bislang noch nicht bekannt gewesen sein dürften, insbesondere über den Lokeinsatz der Bw Werdau und Gera vor 1945. Ein wichtiger Punkt in jedem Eisenbahnbuch ist auch die Bebilderung. Bezüglich der Fotoauswahl überzeugt das neue WM-Buch auf jedem Fall. Zahlreiche historische und auch aktuellere Aufnahmen begleiten den Leser beim Studium der Literatur. Durchaus kritikwürdig erscheint dem Rezensenten aber zumindest teilweise die Wiedergabequalität der Abbildungen. Ein messbarer Teil der abgedruckten Fotos befriedigt durchaus heutige Ansprüche, aber ein mindestens gleichgroßer Teil tut dies eindeutig nicht. In der Gesamtheit überzeugt das Buch aber trotzdem.

Fazit:
Das Buch schließt eine Lücke in der Aufarbeitung mitteldeutscher Eisenbahngeschichte. Es besticht durch viele neue Informationen. Es kann zum Kauf empfohlen werden.

Holger Drosdeck


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