Rezensiert:

Hans-U. Pfeiffer, Jan Methling, Ludger Kenning

Die Bäderbahn Bad Doberan - Kühlungsborn und die Rübenbahn Neubukow Ost - Blengow - Bastorf

Verlag Kenning Nordhorn 2005, 176 Seiten (A4), 101 Farb-, 184 SW- und 44 Duoton-Fotos sowie 91 Zeichnungen, ISBN: 3-933613-75-2, Preis: 32,90 €

Sieben Jahre nach dem Erscheinen des ersten Molli-Buches legte Ludger Kenning Ende 2005 eine neue Monographie über die 900-mm-Bahnen an der Ostseeküste vor. Bahnen? Ja, denn auch der heute fast vergessenen Rübenbahn von Neubukow Ost nach Bastorf, wenige Kilometer westlich von Kühlungsborn endend, widmen sich die Autoren. 13 stattliche Seiten mit vielen Aufnahmen haben sie zu dieser 1890/94 eröffneten und 1947 als Reparation für die Sowjetunion demontierten Strecke zusammengetragen.

Den Schwerpunkt bildet aber natürlich die 1886 noch als Privatbahn eröffnete Doberaner Linie. In nur sechs Wochen hatte der Stettiner Eisenbahnpionier Friedrich Lenz eine 6,6 km lange Trambahn von Doberan (ab 1921 Bad) nach Heiligendamm errichten lassen. 1890 übernahm die Generaldirektion der Großherzoglich Mecklenburgischen Friedrich-Franz-Eisenbahn die Betriebsführung, 1910 konnte die Verlängerung nach Arendsee in Betrieb genommen werden. Seit der Vereinigung von Arendsee und Brunshaupten zu Kühlungsborn (1938) trägt dieser Endbahnhof (km 15,4) den Namen Kühlungsborn West.

Das neue 176seitige Buch informiert detailliert, aber trotzdem kurzweilig, über den Bau, den Betrieb, die Fahrzeuge und die heutige Situation der Molli-Bäderbahn. Besonders informativ sind dabei Kapitel zu Friedrich Lenz, zu den Wagen der Bahn sowie zu den vielfältigen Aktionen der 1995 gegründeten Mecklenburgischen Bäderbahn Molli GmbH & Co. KG zur Zukunftssicherung der Kleinbahn.

Wünscht man sich beim Anblick der Aufnahmen der fünf 1930/34 mit geschlossenen Bühnen in Dienst gestellten Reisezugwagen seufzend in alte Zeiten zurück (sie wurden Anfang der achtziger Jahre „kaputt-modernisiert“), so durchströmte den Rezensenten Freude, als er las, mit wieviel Mühe und Liebe für Details die letzten vorhandenen Altbaufahrzeuge von der Molli-Bäderbahn und dem Verein zur Traditionspflege des Mollis erhalten werden. Dem noch vor dem Druck des Buches leider verstorbenen Hauptautor Hans-Ulrich Pfeiffer gebührt dafür große Achtung!

Für Lokomotivfreunde dürften neben zahlreichen Aufnahmen der längst zerlegten 99 301-303 sowie 99 311-313 Fotos der von der Wismut stammenden 99 331-333 interessant sein. Teils zeigen die Aufnahmen diese Maschinen nämlich noch mit ihrem ursprünglichen Führerhäusern, wie sie 1950/51 in Sachsen in Dienst gestellt worden sind.

Die wenigen festgestellten Fehler liegen in Details: So wurden die 099-Nummern nicht von der DB AG, sondern schon 1992 von der DR eingeführt (S. 94), hatte die Bundesbahn auf DR-Gebiet nichts zu sagen (S. 44) und wurde die DRG 1924 gegründet, damit die Reichsbahn eben nicht mehr unmittelbar dem Reich untersteht, um so von den Alliierten „finanziell geplündert“ werden zu können (S. 22). Der Buchlektor möge sich hingegen verinnerlichen, daß in der deutschen Sprache seit 1901 kein Genitiv-Apostroph mehr erlaubt ist (des Mollis - nicht Molli´s wie auf S. 34 u. 61).

Fazit:
Ein brillantes Werk für Kenner wie interessierte Urlauber gleichermaßen, das abschnittsweise auch dem weiblichen Partner zur Lektüre überreicht werden kann. Lobenswert sind ebenfalls die reiche, vielfältige und oft sehr wertvolle Bebilderung sowie die sauberen und bemaßten Fahrzeugzeichnungen. Die Bildwiedergabequalität nähert sich dem alten Kenning-Standard langsam an, soweit es die Vorlagen erlaubten...

André Marks


zum Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben