Rezensiert:

LokMagazin Special

125 Jahre Schmalspur-Dampf in Sachsen

GeraNova Verlag, München 2006, Broschüre, 116 Seiten 16,50 x 24,6 cm, 45 Farb- und 37 SW-Fotos sowie 32 Grafiken, ISBN: 3-89724-202-8, Preis: 7,90 Euro

Seit mehreren Wochen liegt sie vor – die offizielle Festschrift zum sächsischen Schmalspurjubiläum. Wie vom GeraNova Verlag nicht anders zu erwarten, darf sich der Leser auf brillante Farb-, aber auch gute Schwarzweißaufnahmen freuen. Die hervorragenden Zeichnungen aller Triebfahrzeuge von Gernot Bahr sowie praktische Streckenkartenausschnitte sind weitere äußerliche Qualitätsmerkmale.

Doch auch inhaltlich liefert die Broschur im praktischen Fototaschenformat ein rundes Bild über die Jubilare. Dafür bürgen viele der Textautoren: Lieferte Manfred Weisbrod einen handfesten Geschichtstext, so steuerte „Andreas Goschalla“ fundierte Lokomotivkurzporträts bei. Für Unterhaltung sorgt ein liebenswerter Bericht von Reiner Scheffler, der von Erlebnissen auf der Fahrt von Döbeln nach Lommatzsch mit 99 600 erzählt. Der Kalender mit allen 125 Festveranstaltungen sowie eine Fahrzeugtabelle machen das Heft zu einem nützlichen Nachschlagewerk, welches nicht nur durch das Festjahr begleiten könnte.

Genannte Fahrzeugtabelle von Reiner Preuß ist allerdings nicht immer aktuell und korrekt. (Beispielsweise war 99 594 nie Denkmal in Straupitz, 99 584 ist nicht zugänglich in Prora hinterstellt, 99 715 ist seit 2004 in Jöhstadt, sehr viele Dieselloks und Wagen fehlen, fast ein Dutzend der angeführten Wagen sind nur Kästen oder Rahmen). Da es nicht Sinn einer Rezension ist, alle Fehler einer Publikation aufzuzählen, kann beim Rezensenten eine Korrektur- und Nachtragsliste der Seiten 94 bis 101 angefordert werden (andremarks@hotmail.com).

Weg von trockenen Zahlen. Für viele Eisenbahnfreunde ist die Bebilderung von Büchern das Allerwichtigste. Bei der GeraNova-Broschüre darf man sich auf z. B. auf faszinierende Farbaufnahmen von Ton Pruissens niederländischen Reisegefährten J.F.S. Esser aus den Jahren 1968 und 1971 freuen. Stefan Becher begeistert hingegen mit Aufnahmen aus den achtziger und neunziger Jahren. Der Wert von Gernot Bahrs Fahrzeugzeichnungen wird dadurch geschmälert, daß der Gestalter der Broschüre viele der Prachtwerke zweiseitig über den Bund (Falz) gezogen hat, wodurch das Abnehmen von Maßen teils unmöglich ist. Eine querformatige Anordnung wäre hier sinnvoller gewesen!

Daß der Gestalter beim Verfassen der Bildtexte den von Andreas Goschalla peinlichst vermiedenen Begriff „Rekonstruktion“ bei den IV K und VI K in Spiel bringt, ist ärgerlich. Er trifft für Schmalspurloks nun einmal nicht zu! Auf Seite 63 hat Goschalla dafür rechts oben 99 535 in Dresden vergessen. Daß er ausgerechnet im Festjahr die erste I K in der Eile fälschlicherweise auf 1882 statt 1881 datiert (S. 50), ließ den Rezensenten schmunzeln. Von Manfred Weisbrod würde sich der Rezensent wünschen, daß dieser entweder „sächsische Staatsbahn“ oder aber den korrekten Eigennamen von Sachsens Bahngesellschaft (Plural) verwenden würde.

Fazit: Klein, aber fein, so präsentiert sich die Münchner Festbroschüre mit hohem Nutzwert – nicht nur im Jubiläumsjahr. Die informativen Texte und tollen, sauber gedruckten Aufnahmen begeistern. Übrigens: 1 Euro pro verkauftem Heft spendet der Münchner Verlag dem I K-Neubau-Projekt – Klasse!
André Marks


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