Rezensiert:

V. Jacobi, H. Drosdeck, Hans Jorn Fredberg

125 Jahre Schmalspurbahnen in Sachsen

Foto & Verlag Jacobi, Fraureuth 2006, A4-Broschüre, 64 Seiten, 86 Farb- und 17 SW-Fotos sowie eine Grafik, ISBN: 3-937228-22-5, Preis: 12,– Euro

Auch Produkte aus dem Verlag von Volker Jacobi stehen hinsichtlich ihrer Bebilderung für Druckerzeugnisse der Oberklasse. Die fotoorientierte Broschüre zum Schmalspurjubiläum in Sachsen aus diesem Hause enthält entsprechend 86 brillante Farbfotografien, die jedoch nicht nur aus der Zeit nach 1990 stammen, sondern etwa zu einem Drittel aus den sechziger Jahren. Dabei handelt es sich um bisher unveröffentlichte Dias des Dänen Hans Jorn Fredberg, der damals die DDR bereiste und z. B. die Neubau-VI K 99 694 in Radebeul, 99 713 in Frauenstein, 99 555 in Strehla oder 99 579 auf der WCd in Farbe fotografierte. Die ältesten abgedruckten Farbfotos stammen aus den vierziger Jahren (Herrnhuter Strecke und Rollbockbahn).

Die Farbaufnahmen (von 1940 bis heute) bilden zusammen mit besonders sauber gescannten und professionell bearbeiteten Schwarzweißfotos aus der Anfangszeit der sächsischen Schmalspurbahnen die Illustration zu Kurzporträts aller jemals gebauten Linien. In diesen schlagen die Textautoren Volker Jacobi und Holger Drosdeck einen Bogen von der Bauzeit bis zum Abriß bzw. der heutigen Situation der kleinen Bahnen. Dabei haben sich nur wenige Ungenauigkeiten eingeschlichen. So war niemals eine Schmalspurbahn von Radeburg nach Böhla geplant. Die Verlängerung in Radeburg diente vielmehr Anfang der zwanziger Jahre dem Bau der nie vollendeten regelspurigen „sächsischen Nordbahn“ von Löbau über Kamenz, Königsbrück, Radeburg und Böhla nach Priestewitz! Ende dreißiger Jahre nutzte man das Planum in Radeburg hingegen für den Reichsautobahnbau.

Die Linie Zittau – Markersdorf wurde nicht 1945 komplett demontiert, sondern noch bis Anfang der sechziger Jahre östlich der Neiße von den PKP und westlich der Neiße von der DR als Anschlußgleis zum Schlachthof genutzt.

Bei der Weißeritztalbahn sollte bezüglich des Prädikates, die bis 2002 dienstälteste Schmalspurbahn in Deutschland zu sein, der Zusatz „mit öffentlichen Verkehr“ nicht mehr vergessen werden. Als sich Mitte 1881 die Linien von Wilkau nach Kirchberg und von Hainsberg nach Schmiedeberg noch im Bau befanden, war im Hettstedter Revier bereits ein Jahr eine 750-mm-Werkbahn unterwegs, die (erweitert) bis heute im Betrieb ist!

Oft falsch wird der Zeitpunkt der längsten Ausdehnung des sächsischen Schmalspurnetzes angegeben. Auch die in der Broschüre genannte Länge von 541 km im Jahr 1939 kann nicht bestätigt werden, sondern traf vielmehr für den Zeitraum von 1923 bis 1937 zu! Mitte 1938 reduzierte sich das Schmalspurnetz der RBD Dresden mit dem Abriß der schmalspurigen Müglitztalbahn um 41 km, Ende 1938 wuchs es mit den 750-mm-Gleisen der vormaligen Friedländer Bezirksbahnen um knapp 11 km wieder auf gerundete 512 km an. Einen Überblick über die Festveranstaltungen, Hinweise zu den Festivals, Beschreibungen der Fahrzeuge mit Zeichnungen und Tabellen sucht man in der Broschüre vergebens. Dafür kann man sich besonders ausführlich über das Projekt „Neubau einer I K“ informieren, welches in diesem Jahr vom Verein zur Förderung Sächsischer Schmalspurbahnen e.V. initiiert worden ist.

Fazit: Die Broschüre bietet einen reich- und wertvoll bebilderten, aber auch sehr aktuellen Überblick über alle gebauten sächsischen Schmalspurlinien. Sie spricht damit vor allem Kenner der Strecken an. Dem Anspruch einer Festschrift wird das sauber gedruckte Heft nicht gerecht.
André Marks


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