Rezensiert:

Andreas W. Petrak

Fichtelbergbahn Auf schmaler Spur von Cranzahl nach Kurort Oberwiesenthal

Bildverlag Thomas Böttger, Witzschdorf 2006, 144 Seiten 29 x 23 cm mit 122 Farb- und 95 SW-Fotos sowie 20 Zeichnungen und Grafiken, ISBN: 3-9808250-0-0, Preis: 24,50 Euro

Endlich kann zur CW-Linie wieder eine Monographie erworben werden! Verlegt worden ist das stabile, hervorragend gebundene Buch im Bildverlag Thomas Böttger, von dem der Rezensent bisher kein Produkt besaß. Die Ankündigung des Autors Andreas W. Petrak machte ihn jedoch neugierig - im Böttger-Buch finde man sein „komplettes Manuskript“ von 1995. Im Jahr 1996 war dieses gekürzt auf 128 A4-Seiten bei einem nordwestdeutschen Verlag erschienen. Zehn Jahre danach liegt nun erstmals wieder eine Publikation zur Strecke Cranzahl - Oberwiesenthal vor, die bei stark erweitertem Umfang sogar 4 Cent weniger kostet als das längst vergriffene Buch von 1996!

Diesen Aspekt möchte der Rezensent als absolut lobenswert herausstellen - wenngleich dieser Preis scheinbar „seinen Preis“ hat. Während heute jede beliebige Fernsehillustrierte oder Krankenkassen-Gazette den Betrachter mit makellosen Farbaufnahmen umwirbt, weisen in vorliegendem Böttger-Buch sowohl Schwarzweiß- als auch Farbaufnahmen hinsichtlich Schärfe, Kontrast und Farbechtheit ein breites Spektrum auf. Sei es drum - alle Motive sind erkennbar, und viele Aufnahmen sind dennoch äußerst bemerkenswert! Laut Autor gebührt dabei vor allem Verleger Thomas Böttger ein dickes Lob, mit viel Geduld und Aufwand vor Ort ausdrucksstarke Fotos gefunden zu haben - z. B. aus der Wismut-Zeit (S. 56 u. 60) und von den Anschlußbahnen der Strecke (Firma Richter, S. 104) -, die noch niemals veröffentlicht worden sind. Schön aber auch, daß u.a. Brigitte und Werner Roscher, Günter Otto oder Werner Ilgner ihre „fotografischen Schatzkammern“ geöffnet haben.

Zum Text: Die liebevolle und recht umfangreiche Einführung zur Region dürften auch jeden Heimatfreund begeistern. Auf Seite 26 findet man z.B. die packende Geschichte des vermeintlichen Bauleiters und Begründer des Wintersports, Ingenieur Olsen aus Norwegen.
Sehr ausführlich und detailreich findet man jetzt die Kapitel über die dreißiger bis fünfziger Jahre. Vor allem die Wismutgeschichte wird hervorragend beleuchtet. Ein köstliches Streiflicht aus der Zeit von Anfang 1990 gibt die „Dienstliche Äußerung“ des bekannten Lokführers „Zwirbel“ auf den S. 73/74 wieder. Mit den Sätzen zur 100-Jahr-Feier der CW-Linie sowie dem Kapitel zur Gründung und Betriebsführung der Linie durch die BVO Bahn GmbH ist das Buch außerdem auf der Höhe der Zeit. Vor allem Danilo Grund und Lokführer Michael Müller steuerten dazu interessante Aufnahmen bei, so daß auch der Lokschuppenneubau, die Windhose vom Sommer 2005, das Akku-Rangiergerät und die beiden BVO-Dieselloks vom Typ L45H auf Bildern betrachtet werden können.

Im Wagenkapitel entdeckte der Rezensent nur wenige Ungenauigkeiten (der Traglastenwagen 970-559 kam 1994 nicht nach Radebeul, sondern nach Jöhstadt), dafür aber mehrere „Versäumnisse“. So hätte man in den Bildtexten Seite 130 oben erwähnen können, daß 97-09-63 aus einem Oberlichtwagen entstanden war, daß aus 979-018 später 974-501“ entstand (S. 133 oben), daß sich der Kasten von 970-432 (S. 127) heute bei der Museumsbahn Schönheide befindet oder daß der auf Seite 135 oben abgebildete Schneepflugbegleitwagen seit 1996 in Jöhstadt wieder als Sitzwagen 970-402 rollt. Seit August 2000 trifft das auch auf den Traglastenwagen 970-507 zu (siehe S. 129, zweite Spalte oben). Schusselfehler wie im Bildtext S. 129 sind die Ausnahme (nicht die Lößnitzgrundbahn, sondern Teile der Weißeritztalbahn sind vom Hochwasser 2002 zerstört worden...).
Als letzte Anregung möchte der Rezensent vorschlagen, hinter den Anfang 1992 von der Deutschen Reichsbahn eingeführten 099-Betriebsnummern die ursprünglichen Loknummern zu ergänzen. Die Verwirrung könnte so in Grenzen gehalten werden.

Fazit:
Das neue Böttger-Buch bietet eine textliche Fundgrube zur CW-Linie, die es in dieser Ausführlichkeit noch niemals gab - Klasse! Schnell liest man sich in Petraks Texten fest. Die fleißig zusammengetragenen, reichhaltigen Aufnahmen illustrieren das Buch ausgezeichnet. Allerdings entspricht die Abdruckqualität mehrfach nicht den heutigen Maßstäben. Dafür kann bei 144 Seiten mit so vielen Abbildungen erstmals im Preß´-Kurier einem Eisenbahnbuch das Prädikat „äußerst preiswert“ zugebilligt werden!
André Marks


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