Rezensiert:

André Marks (Hrsg.)

Sächsische Schmalspurbahnen
Impressionen zum 125. Geburtstag

EK-Verlag Freiburg 2006, 96 Seiten, 16 x 23 cm, mit 90 Farbbildern, ISBN-10: 3-88255-367-7, ISBN-13: 978-3-88255-367-3, Preis: 19,80 Euro

Das 125. Jubeljahr der sächsischen Schmalspurbahnen war begleitet von zahlreichen Schriften aller namhaften Verlage - so steuerte auch das EK-Verlagshaus einen Titel innerhalb der Reihe „Eisenbahnbild-Bildarchiv“ (Bd. 28) bei. Als Herausgeber sorgte der in Bezug auf die Materie profunde Kenner André Marks für einen stimmigen Einleitungstext ohne gröbere Schnitzer wie auch für eine ausgewogene und gediegene Vorstellung der einzelnen Bahnen. Aus eigener Erfahrung weiß der Rezensent um die schwierige konzeptionelle Gestaltung eines so komplexen Themas auf den 96 möglichen Seiten. Der Schnittpunkt auf die Beschränkung einer Beschreibung und Lichtbilder der Bahnen in den Jahren der deutschen Einheit ließ diesen Spagat gut gelingen. Ferner spürt man beim Blättern die Überlegung des Autoren, zugleich betriebliche Sondereinsätze oder Höhepunkte wie auch fahrzeugtechnische Entwicklungen vorzustellen.

In einer knappen Vorbemerkung werden zunächst die Entwicklung des Streckennetzes (das immer noch vom Schwebezustand der HK-Linie überschattet wird) sowie die Fahrzeuge skizziert. Auch das vieldiskutierte Projekt der neuen I K Nr. 54 wird kurz vorgestellt. Das reicht im Rahmen dieser Editionsreihe auch vollkommen aus, liegt doch der Schwerpunkt in der Illustration. Weitere Informationen sind zudem geschickt in die Bildunterschriften verwoben wurden. Behandelt werden (in Reihenfolge): Oschatz - Mügeln - Kemmlitz/Glossen, Zittau - Oybin/Jonsdorf, Radebeul Ost - Radeburg, Freital-Hainsberg - Kurort Kipsdorf, Cranzahl - Oberwiesenthal. Inhaltlich folgt hierauf eine Vorstellung der Museumsbahnhöfe und spezieller Projekte (Löthain, Lohsdorf, Anschlußbahn Wilischthal, Oberheinsdorf, Rittersgrün). Den Abschluß bilden zwei Kapitel über die Museumsbahnen in Jöhstadt und Schönheide/Carlsfeld.

Die Würdigung dieser „kleineren“ Initiativen ist schön und wichtig - deshalb: Hätte man nicht auf ein oder zwei Fotos vom Alltagsbetrieb der schon häufiger behandelten Bahnen (z. B. aus DR-Zeit) zugunsten der bildlichen Vorstellung der Schauanlagen in Geyer (eine der ältesten überhaupt) sowie Wilsdruff Hp. verzichten können? Auch die älteste Sammlung des Sächsischen Schmalspurbahnmuseums Rittersgrün kommt mit einer Aufnahme nach Ansicht des Rezensenten etwas zu kurz. Ferner hätte zu diesem Thema durchaus auch ein Lichtbild von dem Ort Berechtigung gehabt, wo alles in puncto Schmalspur in Sachsen begann - nämlich zwischen Wilkau-Haßlau und Kirchberg.

Fazit:
Bildauswahl, Gestaltung und drucktechnische Verarbeitung hingegen bieten keinen Grund zur Klage. Das die HK-Linie 2008 bereits 125 - und nicht, wie auf Seite 44 genannt - 100 Jahre alt wird, soll nicht überbewertet werden. Bücher, die explizit zu einem bestimmten Jubiläum erscheinen, haben meist den Nachteil, rasch inaktuell zu werden. Doch hierzu dürften beim vorgelegten dem Verlag sicher keine Sorge entstehen, da es bestimmt viele Käufer - nicht nur entlang der bestehenden Bahnen - finden wird. Es ist durchaus auch als Souvenir in Ergänzung eigener gefertigter Lichtbilder zu empfehlen.
Andreas W. Petrak


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