Rezensiert:

Wolfram Wagner / Peter Wunderwald / Helge Scholz:

Die Schmalspurbahn Wilsdruff Meißen Triebischtal
Große Feldbahnübung 1909, Meißner Straßenbahn.

IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e. V. 1999 Preis: 39,90 Mark

Das vorliegende Buch ist die mittlerweile achte Publikation aus dem Hause Wunderwald zum Wilsdruffer Schmalspurnetz und seinen Teilstrecken. Trotzdem haben die Autoren auch diesmal wieder eine Reihe bisher unbekannter Fakten zusammengetragen und neben bekannten Fotos auch mit einer Vielzahl bisher unveröffentlichter Bilder illustriert.

Der erste Teil des Buches widmet sich der Geschichte der 1909 eröffneten und 1966/69 stillgelegten Schmalspurstrecke, ihren Bahnanlagen, Brücken und Hochbauten. Dabei werden auch einige wenig bekannte Anschlußgleise und der Behelfsbahnhof Saubachtal mit Bild und Zeichnung vorgestellt.

Es folgen Kapitel zur Betriebsführung auf der Strecke, Verkehrsaufkommen, Bahnpostbeförderung und zum Fahrzeugeinsatz. Leider findet man in diesem Buch nur Auszüge aus Buchfahrplänen, nicht wie in der vorherigen Publikation zur Strecke Lommatzsch Löthain den kompletten Buchfahrplan eines Fahrplanabschnittes, der sehr anschaulich das Betriebs-geschehen auf der Strecke darstellt.

Im Fahrzeugbereich beeindrucken neue Informationen und Fotos zu den Außenseitern auf dieser Strecke: den Dampfloks 99 4051 und 99 4052, dem Triebwagen VT 137 600 und den Versuchsdieselloks V36 4801 und 4802. Interessant ist auch der Abschnitt zum gegenwärtigen Zustand der Trasse und Bahnhofsgebäuden, der vielleicht den einen oder anderen zu einer Wanderung entlang der ehemaligen Bahnstrecke animiert.

Natürlich darf in einem solchen Buch auch ein ausführliches Kapitel zur Schauanlage Hp. Wilsdruff nicht fehlen, auch wenn es dazu nichts wesentlich Neues zu berichten gibt.

Ergänzt wird das Buch durch zwei Kapitel zur Verkehrsgeschichte im Einzugsbereich der Bahn: die Feldbahnübung im Jahre 1909 und die Meißner Straßenbahn.

Vom 5. bis 31. August 1909 baute das 2. sächsische Eisenbahnregiment im Rahmen einer Übung eine 36,7 Kilometer lange 600-mm-spurige Feldbahn von Schänitz (bei Riesa) nach Seeligstädt (bei Wilsdruff), die bei Löthain die Schmalspurstrecke Meißen Löthain überquerte. Markante Bauwerke waren eine Pontonbrücke über die Elbe und ein 280 Meter langer Viadukt bei Luga. Der Leser wird allerdings eine Streckenkarte dazu schmerzlich vermissen.

In Meterspur verkehrte von 1899 bis 1968 die Meißner Straßenbahn, die allerdings seit 1936 nur noch Güter transportierte.

Fazit:
Den Autoren ist es gelungen, den Meißner Streckenast des Wilsdruffer Netzes übersichtlich und interessant zu beschreiben. Neben neuen Informationen zu dieser Linie machen besonders bisher unveröffentlichte und weitestgehend unbekannte Fotos das Buch zu einem Tip der Kauf kann durchaus empfohlen werden.

Kilian Kindelberger


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