Rezensiert:

DVD: Die Müglitztalbahn – Einer Legende auf der Spur

Förderverein für die Müglitztalbahn e.V., adhoc Film- & Fernsehproduktion Dresden 2006, 2 Filme (36 und 28 Min.) sowie 28 Einzelfotos, Preis: 18,90 Euro

Wer sich als Kenner mit der Müglitztalbahn beschäftigt, sollte jetzt ebenso weiterlesen, wie jemand, der mit dem romantischen Tal im Osterzgebirge bisher wenig zu tun hatte. Denn was die DVD vollbringt, ist ein geschickter Kunstgriff: Sie bietet einerseits einen allgemein gehaltenen – auch die Landschaft und die Geschichte der Region einbeziehenden Film (Dauer 36 Minuten). Andererseits können alle eingefleischten Eisenbahnfreunde einen unkommentierten reinen „Lokfilm“ (Dauer 28 Minuten) starten, der alle Geräusche der gefilmten Dampfzüge eindrucksvoll wiedergibt. Zu guter letzt besteht die Möglichkeit, sich 28 Fotografien von der Restaurierung des letzten in Deutschland erhaltenen Mitteleinstiegwagens der Bauart Altenberg anzusehen.

Der Rezensent, in einem kleinen Nebental der Müglitz aufgewachsen, staunte nicht schlecht, was ihm der Film an Bekanntem und Neuem links und rechts der Müglitztalbahn vorstellte; sei es z. B. die Glashütter Bergbaugeschichte, der „Finkenfang“ zu Maxen im Jahr 1759 oder ein Bericht von der Altenberger Bobbahn. So wird die Region entlang der legendären Müglitztalbahn „menschlicher“ – sie wird nicht nur auf die Eisenbahn reduziert. Diese kommt dennoch nicht zu kurz: die Zerstörungen von 1927, eine Lok der sächsischen Gattung V K – in Worten FÜNF K – im Einsatz, fünf VI K im Bahnhof Altenberg (u. a. 99 691, 99 693, 99 696 sowie 99 704), Loks der Baureihe 84 (006 und 012) – all dies in Bewegung auf altem Schwarzweißfilm – ein Augenschmaus!

Den heutigen Planbetrieb repräsentieren Aufnahmen der modernen Regio-Sprinter und ein Zweiwege-Unimog bei der Bedienung des letzten Güterkunden der Müglitztalbahn – der Fluorchemie Dohna. Natürlich kommen aber auch die Museumsbahner auf ihre Kosten. Gleich drei verschiedene Lokomotiven der Baureihe 52.80 können in den Filmen im kraftvollen Einsatz beobachtet werden. Im Mittelpunkt dieser Einstellungen steht der vom Förderverein für die Müglitztalbahn e.V. innerhalb einer mehrjährigen mühevollen, fast sisyphusartigen Arbeit wiedererstandene Mitteleinstiegwagen der Bauart Altenberg, der im September 2005 nach Bärenstein überführt worden war. Nachdem etwa 40 Jahre lang kein Exemplar dieser in den dreißiger Jahren extra für die auf Regelspur umgebaute Müglitztalbahn beschafften Fahrzeuge von Heidenau den Weg in Richtung Altenberg angetreten hatte, gestaltete sich die Überführung des Vierachsers „Dresden 73 413“ im Jahr 2005 zum Volksfest.

Aber auch von seiner Bergung, Restaurierung und Unterstellung in der Bärensteiner Fahrzeughalle im Oktober 2006 findet der Zuschauer Informationen und Filmabschnitte. Für die Qualität der Aufnahmen stehen übrigens niemand anderes als der ehemalige MDR-Kameramann Thomas Schlechte mit seinem Sohn sowie Grit Merten, die bereits zahlreiche Filme – z. B. über die IG Preßnitztalbahn e.V. – produziert haben. Weiter so!

Fazit: Die DVD ist für Heimatfreunde wie Eisenbahnexperten gleichermaßen interessant. Sie bietet für jedermann Erinnerung und Wissenswertes – sie ist damit ggf. als Geschenk für die ganze Familie besonders gut geeignet.

André Marks

Zu beziehen ist die DVD direkt beim Förderverein für die Müglitztalbahn e.V., Pf. 33, 01766 Glashütte, E-Mail: foerderverein@mueglitztalbahn.de.


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