Rezensiert:

Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V.:

Auf schmaler Spur durch die Prignitz
Die Museumsbahn Mesendorf - Lindenberg

Farbbroschur, Radke-Verlag Stralendorf 2007, 40 A5-Seiten, 54 Farb- und drei SW-Fotos, ISBN: - (keine), Preis: 6,50 € (inklusive Versand)

Am 1. Juni 1969 stellte die Deutsche Reichsbahn den Restverkehr auf den verbliebenen Linien der ehemaligen Ost- und Westprignitzer Kreiskleinbahnen ein. Am 26. September 1971 ereilte dieses Schicksal auch die erst nach dem Zweiten Weltkrieg als Schmalspurbahn wiederaufgebaute Strecke Glöwen - Havelberg. Damit war in der Prignitz, jenem urtümlichen, nordwestlichsten Teil des Landes Brandenburg, das Kapitel Schmalspurbahnen vermeintlich beendet. Vermeintlich? Ja, denn so wie im Preßnitztal konnten sich auch im Norden Brandenburgs mehrere Eisenbahnfreunde nicht damit abfinden, daß die große Zeit des „Pollos“ vorbei sein sollte.

War ursprünglich im Jahr 1992 „nur“ geplant, ein Museum einzurichten und einen Denkmalzug aufzustellen, so überschlugen sich schnell die Ereignisse: 1993 wurde der Verein „Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V.“ gegründet, gleichzeitig „schleppten“ die Anwohner immer mehr noch in Gärten vorhandene originale Pollo-Wagen an, und 1994 „drängte“ die DB AG dem Verein die Dampflok 99 4644 aus Neustrelitz zum Kauf auf. Es kam wie es kommen mußte: In der Vereinssatzung wurde verankert, eine Museumsbahn auf der Trasse der Kleinbahn Lindenberg - Pritzwalk zu errichten. Im Frühjahr 1994 begann der Gleisbau von Mesendorf aus in Richtung Lindenberg, im Mai 2002 verkehrte der ersten Dampfzug nach Brünkendorf, 2004 bis nach Vettin und seit 12. Mai 2007 bis nach Lindenberg.

Am 12. Mai stellte der „Pollo“-Verein jedoch auch eine neue hochwertige Farbbroschüre vor. In dieser kann die packende Story von 1992 bis Anfang Mai 2007 nachgelesen werden. Nach einem Vorwort vom Vereinschef Stefan Hoeppner sowie Kurzporträts zur Prignitz und zum ehemaligen Prignitzer Schmalspurbahnnetz von Detlef Radke stellt Ronald Meissner, ein „Pollo-Kämpfer“ der ersten Stunde, den spannenden Werdegang seines Vereins vor. Nach dem Vorbild des Jöhstädter Museumsführers folgen eine imaginäre Fahrt mit der 750-mm-Bahn von Mesendorf nach Lindenberg sowie Kurzporträts aller vorhandenen Lokomotiven und Wagen. Auf der dritten Umschlagseite findet man die wichtigsten Daten dieser immerhin 34 Fahrzeuge. Die knapp 50 nach 1992 entstandenen Aufnahmen überraschen vor allem hinsichtlich ihres Motivreichtums, der Fahrzeugvielfalt und ihrer fotografischen Reize. Lassen Sie sich das nicht entgehen!

Fazit:
Der neue Museumsführer des Pollo-Vereins kann sich wirklich sehen lassen! Doch Achtung: Er ist nicht nur inhaltlich eine Fundgrube, sondern erzeugt mit seinen Bildern einfach nur pure Lust darauf, nach Lindenberg aufzubrechen, um den Pollo zu besuchen!
AM

Erhältlich ist die Broschüre beim: Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V.
Dorfstraße 7; 16928 Lindenberg
Telefon/Fax: 033982/60128 oder 60114
E-Mail: mail@pollo.de


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