Rezensiert:

Filmproduktion Martin Krautwurst:

Die Müglitztalbahn

VHS-Kassette, 58 Minuten, Schmiedeberg 1999. Preis: 37,90

Unter den heute zahlreich erscheinenden Videos einen guten Eisenbahnfilm zu finden, ist nicht einfach. Freunden sächsischer Strecken ist jedoch "Die Müglitztalbahn", erschienen bei der Filmproduktion Martin Krautwurst, Schmiedeberg 1999, zu empfehlen.

In 58 Minuten Spiellänge erhält der Zuschauer einen ausgewogenen Überblick über die Strecke Heidenau Altenberg. Vor allem überzeugt der Film dabei durch ein schlüssiges Gesamtkonzept.

Beginnend mit Aufnahmen aus der aktuellen Zeit werden die verschiedenen Abschnitte der Streckengeschichte beleuchtet. So sind unter anderem der Bau als Schmalspurbahn, das Hochwasser von 1927, der Umbau auf Regelspur (1934 bis 1938) und die Fahrzeuge der Müglitztalbahn erwähnt. Auch fallen Worte zur Zukunft der Bahn. Filmszenen von den Sanierungsarbeiten 1998 ergänzen ebenso wie ein Blick zu Sehenswürdigkeiten im Müglitztal. Zur Erläuterung der Historie der Bahn wurden anschauliche Fotos verwendet.

Absoluter Höhepunkt des Films dürften die knapp vier Minuten langen historischen Szenen von Anfang der dreißiger Jahre und 1941 sein: Aus dem Winter dieses Jahres stammen Bilder der Baureihe 84, deren 1' E 1'-Triebwerk in Bewegung zu sehen, ein Augenschmaus ist.
Noch 10 Jahre älter sind die Schwarzweiß-Szenen aus der Schmalspurzeit: Ein Wintersportzug erklimmt, gezogen von zwei VI K-Lokomotiven, das Osterzgebirge. Daß es außerdem auch von der Gattung V K auf der Müglitztbahn laufende Bilder gibt, ist eine weitere Überraschung.

Doch auch an diesem sehr guten Video gibt es einige Kritikpunkte.
So verleiten moderne Kameras mit ihren extrem leistungsfähigen Zoom- objektiven offenbar zum Spielen. Durch häufigen Einsatz großer Brennweiten geht der Bahn-in-Landschaft-Effekt oft verloren. Die Züge sind überwiegend in Großaufnahme zu sehen, Örtlichkeiten wie die typischen Betonbrücken aus den dreißiger Jahren oder auch Bahnhöfe werden zu selten in der Totale gezeigt.
Ein Großteil der Sommerszenen aus der Gegenwart entstand bei bedecktem Himmel, was sich ein anspruchsvoller Fotograf hätte nicht leisten sollen.
Die Länge der Führerstandsmitfahrten hätte kürzer ausfallen können.

Besser überzeugen die Winteraufnahmen. Positiv fällt der Kommentar und die sehr gewählt eingesetzte Musikuntermalung auf.

Fazit:
Trotz kleiner Mängel liegt mit "Die Müglitztalbahn" ein gediegenes Streckenportrait vor, das überzeugt. Es deckt ein Thema regionaler Eisenbahngeschichte ab, welches einen breiten Interessenkreis hat. Jedem Freund sächsischer Nebenbahnen sei es wärmstens empfohlen.
Erhältlich ist der Film unter anderem beim Förderverein Müglitztalbahn, Postfach 33 in 01768 Glashütte.

Holger Drosdeck


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