Rezensiert:

Team Neidhardt

Schmalspuralbum 7 – Deutsche Reichsbahn 1920-1945:

Mügelner Streckennetz, Wilsdruffer Streckennetz, Verbindungsbahnen

Format: 34 x 28 cm, 176 Seiten, 530 Abbildungen, SOEG-Medien, Zittau 2007 Preis: 48,– Euro

Wie seit sechs Jahren gewohnt, schleppte der Briefträger zum Jahresende ein großes Buchpaket im Überformat heran. Aus diesem rutschte schnell das sauber eingeschweißte Schmalspuralbum 7 heraus – der erste Bildband mit Fotos aus einer neuen Zeit, aus den Jahren von 1920 bis 1945. Fix war das Werk ausgepackt – und schon der Rezensent in vergangenen Jahrzehnten eingetaucht und gefesselt.

Nachdem die bisher erschienenen Bücher der „grünen Reihe“ (Länderbahnzeit 1881-1920) überwiegend mit Postkarten illustriert waren, besticht der Band 7 mit den erwarteten genialen Plattenkamera-Aufnahmen – aber ebenfalls mit vielen brillanten Amateurfotos, die teilweise auch in den sechziger Jahren entstanden sein könnten – wenn, ja, wenn nicht so oft der Reichsadler mit Hakenkreuz die Mützen der Eisenbahner zieren würde – und wenn nicht alles so tadellos sauber wäre … So widersprüchlich wie dieser erste Eindruck, so spiegelt das Buch auch die ganze Widersprüchlichkeit der zwanziger bis Anfang vierziger Jahre perfekt wider!

Die von Modellbahnern oft vereinfachend (und verfälschend) als DRG-Zeit bezeichneten Jahre von 1920 bis 1945 müssen in so viele Einzelabschnitte unterteilt werden, die man als Eisenbahnhistoriker keinesfalls mit einer politischen Zäsur 1933 abtun kann.

Da die Konzeption des Bandes 7 erneut eine geographische Eisenbahnreise entlang einzelner Schmalspurbahnen der chronologischen Aneinanderreihung von Aufnahmen vorgezogen hat, muss der Betrachter emotional oft zwischen früher Reichsbahnzeit (teils noch ohne DR-Nummern!) und später DRB-Zeit (oft mit Reichsadler) springen – das ist nicht immer einfach. Angenehm ist es, daß in den Bildtexten die NS-Zeit mit ihren Symbolen weder verherrlicht noch permanent verdammt wird. Dafür distanzieren sich Herausgeber und Autoren im Vorwort von den NS-Inhalten in glaubhafter Weise.

Und was kann zu den abgedruckten Aufnahmen gesagt werden? Nun, jüngere Eisenbahnfreunde würden es vermutlich mit dem Wort „Hammer“ in Versalien und mit fünf Ausrufezeichen zusammenfassen. Treu dem Anspruch, möglichst alle bekannten Aufnahmen des behandelten Zeitraumes in einem Buch abzudrucken, erwartet den Betrachter das volle Spektrum an Fahrzeug-, Strecken- und Gebäudeaufnahmen. Gezeigt werden die Lokporträts von Altmeistern wie Hubert, Mey und Bellingrodt wie Luftaufnahmen und Dokumentarfotos vom Wurgwitzer Brückensturz oder vom Bau der Siebenlehner Reichsautobahnbrücke. Überraschend hoch ist die Anzahl bisher unbekannter oder kaum veröffentlichter Aufnahmen. Fotos von VI K im Mügelner Netz, I K in Lommatzsch und Klingenberg, Einheitsloks in Nossen und Frauenstein oder von beiden Sprengwagen der DRG zählen zu den absoluten Hinguckern. Aber auch die richtige Ortszuweisung bisher oft falsch lokalisierter IV K-Aufnahmen (99 512 in Nossen) macht den Bildband zu einer wahren Fundgrube!

Fazit:
Der Band 7 weist eine hohe Attraktivität hinsichtlich seiner Bebilderung auf. Die Aufnahmen sind sauber gedruckt und originell beschrieben. Er ist eine gute Zusammenführung aller bisher bekannten Aufnahmen der behandelten Strecken. Auffällig ist die geringe Anzahl an Tipp- und Inhaltsfehlern. Unter dem Strich ergibt sich damit ein gutes Preis-Leistungs-Angebot für das nicht billige Buch. Für Liebhaber sächsischer Schmalspurbahnen ist es dennoch eine geniale Fundgrube und ein gutes Bildnachschlagewerk.

Karl Mannheimer


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