Rezensiert:

Andreas Kühn, Guido Huwe

Die Salzwedeler Kleinbahnen
Die Strecken Salzwedel–Badel und Salzwedel–Diesdorf

Verlag Dirk Endisch, Korntal-Münch. 2007, 176 Seiten A4 (Format 24,5 x 17,5 cm) mit 156 Abbildungen, 14 Tabellen und 9 Zeichnungen ISBN: 978-3-936893-48-9, Preis: 26,– Euro

Die Altmark, eine über 1000jährige deutsche Kulturlandschaft nordwestlich von Magdeburg, war in der Hochzeit der Eisenbahnen (also weit, weit vor Gründung der DB AG) nicht nur durch staatliche Linien, sondern auch von zahlreichen Kleinbahnen erschlossen. Doch vom Glanz z.B. der Stendaler Kleinbahn, der Altmärkischen Kleinbahn oder der Salzwedeler Kleinbahnen ist nicht viel geblieben. Nicht einmal alle staatlichen Eisenbahnlinien werden heute noch betrieben. Von den 750-mm-, 1000-mm- oder regelspurigen Kleinbahnen sind oft nicht einmal mehr die Bahndämme auszumachen. Und dennoch – oder gerade deshalb – üben gerade die heute nicht mehr existenten Eisenbahnen den gewissen Reiz aus; noch dazu, wenn es sich um einst schmalspurige Linien handelt. Dem Rezensent war von der Schmalspurzeit in der Altmark bisher wenig bekannt, umso gespannter erwartete er das Buch über die Salzwedeler Kleinbahnen. Und heute erneut vorab: Seine Erwartungen wurden erfüllt.

Die Salzwedeler Kleinbahnen GmbH betrieb zwei ursprünglich meterspurige Kleinbahnen in der Altmark: die Linie Salzwedel – Winterfeld (bei Badel) und Salzwedel – Diesdorf, eröffnet zwischen 1900 und 1902. Über deren Vorgeschichte, Bau, Betrieb (bis 1921 zwei GmbH), Fahrzeuge, Umspurung Ende der zwanziger Jahre, Betrieb durch die DR ab 1949 und Niedergang zwischen 1980 und 1995 erfährt der Leser in der Monographie eine unerwartete Fülle an Grundlagen und Details. Die Abbildungen vom Reise- und Güterverkehr (teilweise mit Rollböcken) sind ein Augenschmaus. Für Modellbahner bieten sie phantasievolle Inspirationen. Aber auch die Berichte und Abbildungen der Werkbahnen (z.B. der Zuckerfabrik Salzwedel) überraschen positiv.

Recht genau schildern die Autoren Herkunft und Einsatz der schmalspurigen Fahrzeuge. Am bekanntesten dürfte dabei Lok 5 sein, welche 1928 zu den Franzburger Kreisbahnen gelangte und 1950 von der Reichsbahn die Betriebsnummer 99 5611 erhielt, der Verschrottung entging, aber heute unzugänglich in Frankreich hinterstellt ist. Doch auch zum Verbleib der Wagen geben die Autoren – soweit auffindbar – Hinweise.

Der Schilderung der Umspurung der beiden Linien folgt eine ausführliche Beschreibung der Regelspurzeit der Salzwedeler Kreisbahnen (1928-1995). Endpunkt der Winterfelder Linie war übrigens nach der Umspurung ab 1926 Badel (ebenfalls an der Linie Beetzendorf – Hohenwulsch der AMK). Die Aufnahmen der nunmehr eingesetzten 1´C-ELNA-Maschinen und der mannigfachen Triebwagen stehen denen des Schmalspurbetriebes in nichts nach. Wiederum haben sich die Autoren bemüht, auch den Verbleib von Wagen zu ermitteln. So zeigt ein Foto einen dreiachsigen Oberlichtwagen als Museumswagen in Loburg. Und auch hinsichtlich Bindung, Druck sowie Wiedergabe der Schwarzweißfotos kann der Rezensent nichts Negatives finden.

Fazit:
Die im Endisch-Verlag erschienene Monographie beantwortet alle Fragen zur Geschichte der Salzwedeler Kleinbahnen GmbH. Das mit viel Fleiß und Konzentration zusammengetragene Material ist vorbildlich aufbereitet und wird lese(r)freundlich dargeboten. Wessen Horizont über Sachsens Sekundärbahnen hinausreicht, der wird an dem Kleinbahnbuch viel Freude haben.

André Marks


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