Dampflok "Gr 001" auf der Weißeritztalbahn unterwegs

Nach einer mehrjährigen Pause organisierte die IG Weißeritztalbahn e. V. am 1. und 2. September erstmals wieder Fotosonderfahrten zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf. Durch die in der Vergangenheit gemeinsam mit der IG Preßnitztalbahn e. V. erfolgreich durchgeführten Fotosonderzüge lag die Meßlatte in punkto Qualität und Attraktivität der Veranstaltung sehr hoch. Als Zuglok kam die vom Verein Mansfelder Bergwerksbahn e. V. (MBB) gemietete Lok 20 vor dem aus Einheitspersonen und -packwagen gebildeten Zug zum Einsatz.

Die Lok entstammt einer zwischen 1947 und 1954 bei O&K bzw. im späteren Lokomotivbau "Karl Marx" Babelsberg mit insgesamt 425 Stück gebauten Serie von 250 PS-starken Reparationslokomotiven für die UdSSR. Damit ist die Baureihe "Gr" die meistgebaute deutsche Schmalspurlokomotive. Eingesetzt wurden diese Maschinen bei verschiedensten Schmalspur-, Industrie-, Bergwerks- und Waldeisenbahnen. Einige sind in den Nachfolgestaaten der UdSSR noch heute als Museumslokomotiven erhalten.

Lok 20 der MBB wurde 1951 als Gr 320 mit der Fabrik-Nr. 15417 geliefert und ursprünglich auf den baltischen Schmalspurbahnen sowie in der Ukraine eingesetzt. 1992 war sie gemeinsam mit der Gr 319 als Eigentum des Estnischen Eisenbahnmuseums bei der Torfbahn in Lavassaare abgestellt. 1995 kaufte sie der MBB, eine Jahr später stand sie in Benndorf auf dem Hof.

Am 2. September stand Lok 20 der MBB als Gr 001 analog der Probefahrten der Baumustermaschine dieses Typs 1947 auf der Weißeritztalbahn im Einsatz. In Dippoldiswalde fotografierte sie André Marks. Einige Jahre länger dauerte die betriebsfähige Aufarbeitung der Lokomotive. Mit Unterstützung der Mansfelder Lokomotiv- und Wagenwerkstatt gelang dem Verein dieses mühsame Projekt. Am 24. Mai 2000 konnte die Lokomotive als Lok 20 in Zweitbesetzung auf der Bergwerksbahn in Dienst gestellt werden.

In Anlehnung an die vom 15. September bis 20. Oktober 1947 auf der Weißeritztalbahn durchgeführten Erprobungsfahrten der Baumusterlok des Typs wurde Lok 20 für den Einsatz zwischen Freital-Hainsberg und Kurort Kipsdorf Ende August als Gr 001 beschriftet und mit entsprechenden Zierlinien versehen. Bedenken zu Problemen an der Zuverlässigkeit und Kurvenläufigkeit der Maschine, wie sie beim Einsatz anläßlich der Eröffnungsfeier "Steinbach 2000" aufgetreten waren, wurden nach der am 31. August zu später abendlicher Stunde erfolgten Probefahrt nach Rabenau zerstreut.

Am Sonnabend nahm mit jedem Streckenkilometer auch der Regen zu, und ab Schmiedeberg kam mit den dann ofengeheizten Wagen so richtige sächsische Schmalspuratmosphäre auf, die das schlechte Wetter fast vergessen ließ.

Am Sonntagmorgen konnte das von 1947 bekannte Foto der Gr 001 mit einem Einheitspersonenwagen neben dem Sandschuppen am Hainsberger Heizhaus abgelichtet werden. Den insgesamt 120 zahlenden (und auch wieder einigen nichtzahlenden) Teilnehmern wurden an beiden Tagen reichlich Fotohalte und Scheinanfahrten, sowie mehrere Kreuzungen und Überholungen mit Regelzügen geboten. Am Sonntag sorgten noch mehrere mit Vorspannlokomotiven bespannte Regelzüge der Mitteldeutsche Bahnreinigung GmbH (BRG) für zusätzliche Fotomotive. Für den in den kommenden Wochen durch Bauarbeiten bedingten Inselbetrieb zwischen Seifersdorf und Kipsdorf wurden damit durch die BRG eine größere Anzahl Personenwagen und Lokomotiven von Freital-Hainsberg nach Kurort Kipsdorf umgesetzt.

Das Wetter zeigte wenigstens am Sonntag mit den Fotografen Erbarmen. In Kipsdorf riß der Himmel auf und so waren auf der Rückfahrt zahlreiche Motive auch bei Sonnenschein möglich. Insgesamt zeigten beide Fahrten wiedereinmal, daß auf der Weißeritztalbahn neben dem täglichem Dampfbetrieb Fotosonderfahrten mit Gastfahrzeugen oder zu bestimmten Themen immer ein Erlebnis sind.
Bernd Hauptvogel

Bildbericht von dieser Sonderfahrt


Im Stundentakt von Freital-Hainsberg nach Freital-Potschappel

Wirklichkeit wurde dies zum "Tag des offenen Denkmals" durch die Sonderfahrten der IG Weißeritztalbahn e. V. am 9. September 2001. Die Züge wurden abwechselnd mit der IV K 99 1608-1 und der VI K 99 1713-9 bespannt und verkehrten auf dem letzten im Freistaat Sachsen noch mit beiden Spurweiten in Betrieb befindlichen Mehrschienengleis, dem Technischen Denkmal "Potschappel-Hainsberger-Verbindungsgleis" (PHV-Gleis), welches schmalspurig derzeit noch zur Überführung der Wagen zur Wagenausbesserungsstelle (WAS) genutzt wird.

Etwa 600 Besucher nutzten trotz strömenden Regens die Möglichkeit zu einer Mitfahrt und zur Besichtigung des Lokschuppens und Bahnhofes Freital-Hainsberg sowie der WAS Freital-Potschappel. In Freital-Potschappel konnten die Besucher am durch eine ABM-Maßnahme des Vereins wieder reaktivierten Schmalspurbahnsteig der bereits 1972 eingestellten Schmalspurstrecke Freital-Potschappel Wilsdruff Nossen ein- und aussteigen.

Leider sind die Zukunftsaussichten für das PHV-Gleis nicht sehr rosig, da nach Planungen der DB Netz AG im Zusammenhang mit dem Ausbau der Sachsenmagistrale Dresden Chemnitz Hof zukünftig auf dieses Verbindungsgleis verzichtet werden soll. Weitere öffentliche Fahrten sind zum Kleinbahnfest am 1. und 2. Dezember 2001 zwischen Freital-Potschappel und Rabenau vorgesehen.

99 1608-1 zeigte sich bei den Pendelfahrten im technisch hervorragenden Zustand, war sie doch erst wenige Wochen zuvor von einer Hauptuntersuchung im AW Meiningen zurückgekehrt.
(IGW)


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