Schmalspurbahn-Statistik 1990-2000

(Teil 1)

Nachdem fast ein Drittel des Jahres 2000 schon wieder verstrichen ist, soll ein kleiner statistischer Rückblick einmal verdeutlichen, wie sich der Fahrzeugbestand und die Streckenlänge der sächsischen Schmalspurbahnen in den letzten zehn Jahren entwickelt haben. Alle Angaben der Tabellen beziehen sich dabei auf die Stichtage 1. Januar 1990 und 2000.

Die Zahlen zu den Lokomotiven und Wagen beinhalten dabei neben dem Material in Sachsen selbst beispielsweise auch sächsische Fahrzeuge in Nürnberg, Ochsenhausen und auf Rügen sowie bisher bekannte Fahrzeuge in Norwegen, Polen, Rußland, der Slowakei und Österreich.

Nicht berücksichtigt sind Strecken und Fahrzeuge der Muskauer Waldbahn, die aus anderen (Bundes-)Ländern nach Sachsen umgesetzten fremden Fahrzeuge (z.B. 99 4511 und 99 4532) und die in Sachsen befindlichen Dieselloks. Die Angaben zu den Wagenkästen geben den derzeit bekannten Wissensstand wieder. Für Hinweise und Tips ist die Redaktion jederzeit dankbar.

André Marks mit freundlicher Hilfe von
Matthias Hengst und André Dörfelt



  1. Januar 1990 1. Januar 2000 Bemerkungen
750-mm-Strecken für den öffentl.
u. nichtöffentl. Verkehr
102 km 108 km Länge der betriebenen sächs. Strecken und Anschl.
Bahnhöfe/Haltepunkte
(Güter- u. Reiseverkehr)
57 63 inkl. Potschappel, PF Willischtal u.a. Anschl.
Loks ehem. Gattung I M 1 1 99 162 ex sächs. 252 (1000 mm)
Loks ehem. Gattung IV K     einst 99 511 - 99 608 (750 mmm)
- insgesamt erhalten 22 22 3 Altbau, 1 Reko, 18 Neubau
- davon in Sachsen 19 17 ohne 99 555 in Söllmnitz/Thür.
- davon betriebsfähig 11 8 alles Neubauloks
Loks Bauart sächs. VI K     einst 99 641 - 655 u. 99 671 - 717
- insgesamt erhalten 4 4 99 651 Altbau, 3 Neubau VI K
- davon in Sachsen 2 2 99 713 und 99 715
- davon betriebsfähig 1 2 99 713 (Radeb.), 99 716 (Öchsle)
Einheitsloks (750 mm)     einst 99 731 bis 99 762
- insgesamt erhalten 14 14 überwiegend mit Nachbaukessel
- davon in Sachsen 14 14 99 759 seit 1999 in Rittersgrün
- davon betriebsfähig 10 8 2000 u.a. nicht 99 731, 50, 57
Neubauloks (750 mm)     einst 99 771 bis 99 794
- insgesamt erhalten 22 22  
- davon in Sachsen 20 18 99 781 (Nürnberg) 99 782-84 (RüKB)
- davon betriebsfähig 16 16 2000 nicht 99 776, 781, 790, 791
4-achs. "Oberlichtwagen"     Gattung 715 und 716
- komplett erhalten 6 6 inkl. 2 in Polen, ohne ZOJE-Wagen
- als Kasten 7 5 teils ohne Oberlicht
- davon in Sachsen 2 0 970-204 zerlegt, 970-303 in Aufarb.
4-achs. "Großfenstrige"     Gattung 711 und 720
- Altbauwagen komplett 22 22 inkl. Grubenbahnwagen
- davon in Sachsen 17 18 inkl. Knappenrode
- davon betriebsfähig 10 12 2000 neu: 970-318, -402, -408
- als Kasten (in ganz Dtl.) 19 12 darunter in Prignitz
- mit Reko-Aufb. (g. Dtl.) 33 42 in Sachsen und auf Rügen
- davon in Sachsen 24 31 Reko I und Reko II

Kommentiert:

Das soll ein Land Sachsen erst einmal nachmachen: 30 betriebsfähige Dampflokomotiven konnten formal am Neujahrstag 2000 im Freistaat auf 750-mm-schmalen Gleisen erlebt werden. Insgesamt ist Sachsen noch Heimat von 54 Schmalspurdampfloks. Das kann sich sehen lassen. Nichtsdestotrotz werden Skeptiker darauf verweisen, 1990 gab es noch 36 betriebsfähige Maschinen.

Ja, dieser Vergleich spiegelt tatsächlich einen gewissen Niedergang wider. Doch sollte sich jeder Kritiker ernsthaft fragen, ob in Radeburg oder Hammerunterwiesenthal wirklich dauerhaft rentabler Güterverkehr möglich gewesen wäre? Wer sich die Einsatzpläne der verbliebenen Maschinen ansieht, wird feststellen, daß fast eine gewisse Kontinuität erreicht ist. Der Bedarf an Dampfloks pegelt sich neu ein. Die Talsohle ist bis auf weiteres vorerst erreicht.

Ob die Döllnitzbahn allerdings auf Dauer drei Dampfloks betriebsfähig unterhalten kann, scheint fraglich. Diesen düsteren Aussichten steht zum Beispiel die geplante Wiederinbetriebnahme von 99 582 in Schönheide entgegen. Die Entwicklung ist klar, nur wo sich die Eigentümer und Vereine wirklich "drehen", dampft es auch weiterhin.

Die Zukunft der vielen Einheits- und Neubauloks ist vor allem von einem abhängig: Geht das Trauerstück um die Beschaffung von Triebwagen in die nächste Runde? Bei den bisherigen Abstimmungsproblemen wird es wohl noch Jahre gehen! Ohne auch nur einem "Darsteller" eine Schuld geben zu wollen ob sie wirklich noch immer glauben, daß die Industrie für jede Bahn individuelle Fahrzeuge bauen wird?

Der Streit um Bau und Ausstattung der Triebwagen kommt allerdings den Dampfloks zugute. Alles hat eben auch etwas für sich. Anfang der neunziger Jahre zog die Weigerung der Deutschen Reichsbahn, keine weiteren Lokomotiven an Vereine zu verkaufen, die Wiederauferstehung von 99 590 nach sich. Ein Ereignis, was wohl wie den Wiederaufbau von Schmalspurstrecken in Schönheide und Jöhstadt vor 1990 kaum jemand auch nur geahnt hat. Die beiden Museumsbahnen im Erzgebirge gleichen die eingestellten Anschlußbahnen heute wieder aus.

Die Streckenlänge der sächsischen 750-Millimeter-Bahnen wuchs seit 1990 dadurch sogar wieder an! Doch auch in Bezug auf den Wiederaufbau trennte sich in den letzen zehn Jahren die Spreu vom Hafer. Während es dem Schwarzbachbahnverein (Hohnstein) 1999 endlich gelang, ins Vereinsregister eingetragen zu werden, hört man von denen, die in Wilischthal oder Gelenau Eisenbahnatmosphäre schaffen wollten, gar nichts mehr. Das zeigt einmal mehr, der "Markt" ist aufgeteilt.

Eine Idee ist noch immer schnell geboren, neue Leute, die nicht nur reden, sondern auch anfassen und zupacken gibt es aber kaum noch. Nichts ist ohne größte Anstrengungen mehr erhältlich. Deshalb helfen wir lieber, das jetzt Bestehende zu erhalten und die geäußerten Träume zu vollenden. Sicher ging in den letzten zehn Jahren Vieles verloren. Anderes entstand dafür in ursprünglicher Vollendung neu.

Diesen Stand zu halten, muß Ziel für die nächsten Jahre sein. Ob vorhandene Pläne im nächsten Jahrzehnt vollendet werden können? Wollen Sie wissen, wer das zu erst weiß diejenigen, die selbst dabei helfen!

André Marks


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