Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XI)

WG-Linie Wilsdruff – Meißen-Triebischtal

Die 17,5 km lange Schmalspurbahn Wilsdruff – Meißen-Triebischtal war eine der drei Teilstrecken, die bei den Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen als WG-Linie Wilsdruff – Gärtitz zusammengefaßt waren. Eröffnet wurde die Strecke Wilsdruff – Meißen-Triebischtal am 1. Oktober 1909. In Betrieb war sie bis 1966. Damals mußte sie als erstes Stück des Wilsdruffer Schmalspurnetzes ihren Dienst quittieren. Lediglich von Wilsdruff bis Ullendorf-Röhrsdorf bestand noch bis Ende 1968 Güterverkehr.

Heute stehen ein Teil der Trasse sowie einige Gebäude und Anlagen unter Denkmalschutz. Teile des Bahndammes werden als Rad- und Wanderweg genutzt. Das Empfangsgebäude und die Nebengebäude des Bahnhofs Wilsdruff sowie auch die ehemaligen Bw-Anlagen gehören heute der Stadt. Der große, 1954 neu errichtete Mehrbogenviadukt über das Saubachtal gleich hinter dem Bahnhof existiert noch heute und soll künftig den Rad- und Wanderweg aufnehmen. Ein weiteres Brückenbauwerk am Landbergweg fehlt momentan noch, soll aber wieder erstellt werden.

Im Bereich der Abzweigstelle der Linien Freital-Potschappel – Wilsdruff – Nossen und Wilsdruff – Meißen wurde der Bahndamm überackert. Erst danach ist er bis zum ehemaligen Hp. Wilsdruff (km 0,9 WG) wieder begehbar und wird teils als Fahrweg genutzt. Am Haltepunkt entstand durch die Arbeit der IG Verkehrsgeschichte e. V. seit 1986 ein kleines Museum zur Erinnerung an die Strecken des Wilsdruffer Netzes. Mittlerweile gehören neben dem restaurierten Stationsgebäude und Freiabtritt sechs Wagen und zwei Wagenkästen zur historischen Fahrzeugsammlung. Ein weiterer Ausbau der Schauanlage ist vorgesehen. Inwiefern es dabei gelingt, die ehemalige Trasse bis zum Bahnhof Wilsdruff mit einzubeziehen, ist derzeit noch offen.

Dem weiteren Trassenverlauf in Richtung Meißen kann man bis zur zugeschütteten Autobahnunterführung folgen. Ab dort muß der Streckenwanderer die Straße nutzen und die Autobahn A 4 auf der Straße Wilsdruff – Meißen unterqueren. Erst in Höhe des Klipphausener Gewerbegebietes ist der ehemalige Bahnübergang noch zu erahnen und die Trasse ab hier wieder begehbar. Das Stationsgebäude von Klipphausen (km 3,8 WG) existiert noch und wird von einem Jugendklub genutzt.

Hinter der Station bis nach Ullendorf-Röhrsdorf ist der Bahndamm zum Teil erhalten, zum anderen Teil umgeackert, so daß vor Ullendorf-Röhrsdorf auf die nahegelegene Straße ausgewichen werden muß. Neben dem Beamtenwohnhaus ist hier das Stationsgebäude erhalten. Es wird als „American Imbiß“ gern von Fernfahrern besucht. Danach ist die einst über freies Feld führende Strecke nicht mehr erkennbar.

Vom Bahnhof Taubenheim (b. Meißen), km 8,4 WG, existiert nicht einmal mehr das Planum. Wiederum bleibt nur der Ausweg auf die Straße bis Taubenheim. Ab der ehemaligen Ziegelei Taubenheim, die über Gleisanschluß (km 8,8 WG) und eigene 600-mm-Werkbahn verfügte, ist die Strecke wieder auszumachen und als Wanderweg ausgebaut. Vor der Station Polenz muß man auf einen Wirtschaftsweg ausweichen. Die Gesamtanlage von Polenz (km 11,0 WG) ist noch gut zu erkennen, trotz fehlender Gleise. Erhalten blieben zwei Brücken, das Stationsgebäude und Nebengebäude. Die nahegelegene Helmmühle mit ihrer anerkannt guten Küche lädt wie zu Zeiten der Bahn zur Rast ein.

Ab hier ist die Trasse bis Garsebach als Rad- und Wanderweg ausgebaut. Die Bahnlinie verlief dabei immer im Tal der Kleinen Triebisch. Vom malerisch gelegenen Haltepunkt Preiskermühle (km 12,2 WG) ist nichts mehr übriggeblieben, an seiner Stelle steht eine Vereinsgaststätte und daneben liegt ein Sportplatz. Auch die Preiskermühle selbst, früher ein beliebtes Ausflugslokal für die Meißner Bevölkerung, ist zunehmendem Verfall preisgegeben. Bis Garsebach führt die Trasse über mehrere Brücken über die Kleine Triebisch. Linkerhand ist die von Lommatzsch kommende Schmalspurstrecke erkennbar, während am gegenüberliegenden Talhang die regelspurige Borsdorf-Coswiger Linie (BC-Linie) verläuft. Das in seinem Erscheinungsbild durch Modernisierung entstellte Stationsgebäude am km 13,4 WG beherbergt heute Büroräume. Genau auf den früheren Gleisanlagen wurde in den siebziger Jahren eine Konsum-Kaufhalle errichtet. Sehenswert ist hingegen das große Beamtenwohnhaus.

Eine Fortsetzung der Wanderung auf der Trasse ist nicht mehr möglich, das Ausweichen auf die Straße nach Meißen unumgänglich. Der Trassenverlauf der Schmalspur folgte stets rechts der BC-Linie. Entlang der Straße gelangt man direkt zur Blockstelle Götterfelsen mit ihrem markanten Blockstellengebäude. Die früheren Bahnschranken wurden für die Schmal- wie auch für die Regelspur geschlossen. Blocksignale gab es hier nur für die Regelspurbahn. Heute liegt nur noch das Streckengleis der BC. Bis 1945 hatte der hiesige Streckenbereich sogar vier Gleise (zwei Hauptgleise der BC-Linie, das Schmalspurstreckengleis der WG und das schmalspurige Anschlußgleis der Firma Müller). Am Meißner Ortseingang erreichen wir den ehemaligen Haltepunkt Meißen-Buschbad (km 15,5 WG), der erst 1944 eingerichtet wurde. Relikt der Schmalspurbahn ist hier das Stationsgebäude und eine Gitterträgerbrücke am km 15,7 WG, die noch als Rohrträger genutzt wird.

Die Straße verläuft wiederum weitestgehend in Sichtweite der BC-Linie und der ehemaligen Schmalspurtrasse. In Höhe des Kaufland-Marktes befindet sich rechterhand der Güterschuppen von Meißen-Jaspisstraße. Der einst großflächige Bahnhof am km 16,9 WG ist in seinen Dimensionen noch zu erahnen. Auf Teilen des Areals befindet sich seit 1978 ein Heizkraftwerk. Einzige Relikte der Schmalspurzeit sind eine Stützmauer, ein Brückenwiderlager und der Fußgängertunnel zur Jaspisstraße. Weiter gelangen wir neben der Bahn zur Endstation der Schmalspur, zum Bahnhof Meißen-Triebischtal (km 17,5 WG). An einem Stumpfgleis endeten die Schmalspurzüge aus Wilsdruff und Lommatzsch vor einem Prellbock. Ein Gleisrest ist noch vorhanden, die alte Wartehalle wird heute als Laube genutzt. Für die Dresdner S-Bahnlinie S 1 aus Schöna ist Meißen-Triebischtal heute Endstation.

Wer von der parallel zur BC-Linie führenden Schmalspurtrasse mehr sehen will, dem sei eine Fahrt mit den neuen Desiro-Triebwagen bis Miltitz-Roitzschen empfohlen.

Peter Wunderwald/ Holger Drosdeck

Literaturtip:
Wer mehr über die Historie der Strecke bzw. des gemeinsam genutzten Streckenabschnitts erfahren möchte, dem seien die beiden nachfolgend aufgeführten Titel empfohlen:

  • „Das Wilsdruffer Schmalspurbahnnetz“ (32,80 €)
  • „Die Schmalspurbahn Lommatzsch – Löthain – Meißen-Triebischtal“ (17,85 €)
Beide Bücher sind nicht im Buchhandel erhältlich. Restexemplare sind über die IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e. V., PF 31, 01723 Wilsdruff zu beziehen.


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