Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XII)

WG-Linie, Teil 2 Meißen-Triebischtal – Lommatzsch

Der Streckenteil Meißen-Triebischtal – Garsebach wurde von den Strecken Meißen-Triebischtal – Lommatzsch und Wilsdruff – Meißen-Triebischtal gemeinsam benutzt und wurde bereits im Rahmen der Beschreibung letztgenannter Linie im PK 71 abgehandelt, weshalb unsere gedankliche Reise über die Trasse der Schmalspurbahn Meißen-Triebischtal – Lommatzsch in Garsebach beginnt. Eine Begehung dieses Abschnittes ist auch in der Realität empfehlenswert, da in den vergangenen Jahren große Teile des noch vorhandenen Bahndammes als Rad- und Wanderweg ausgebaut wurden.

Mit dem Streckenteil (Wilsdruff) – Meißen-Triebischtal – Löthain wurde am 1. Oktober 1909 der erste Abschnitt der Linie eröffnet. Am 30. November 1909 folgte die Fortsetzung von Löthain nach Lommatzsch. Die Gesamtstrecke war Bestandteil der WG-Linie Wilsdruff – Gärtitz. Die Streckeneinstellung Garsebach – Löthain fand am 21. Mai 1966 statt, und der Betrieb zwischen Löthain und Lommatzsch wurde am 28. Oktober 1972 eingestellt.

Gleich im Anschluß an die Station Garsebach findet man bis heute noch die zugewachsenen Pfeiler des Garsebacher Viaduktes, das mit einer Länge von 206,95 m und zehn Pfeilern einst die größte Schmalspurbrücke Deutschlands darstellte. Traurige Berühmtheit erlangte sie durch die beiden schweren Bahnunfälle am 7. Januar 1949 und am 25. Dezember 1962, als jeweils ein Zug infolge Bremsversagens von der Brücke stürzte.

Wir folgen der Straße nach Miltitz im Tal, linkerhand sind die Pfeiler gut sichtbar. Am Ortsausgang von Robschütz verlassen wir die Straße und begeben uns auf den Bahndamm, der stellenweise zugewachsen und nur mit einiger Mühe passierbar ist. Dieser Streckenabschnitt führt in ständiger Steigung bis nach Löthain. Die vor Löthain befindliche Straßenbrücke der B 101 über die Schmalspurbahn wurde 1993 abgetragen und durch einen Damm mit eingelassener Röhre ersetzt. Hier beginnt der eigentliche Wanderweg auf dem alten Bahnkörper.

Die Anlagen des großflächigen Bahnhofs Löthain sind in ihrer Ausdehnung noch erkennbar. Durch die Initiative des Heimatvereines Käbschütztal, tatkräftig unterstützt von Eisenbahnfreunden der Region und der IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e. V. entsteht seit 2002 ein kleines Museum im Stationsgebäude zur Erinnerung an die Schmalspurbahnen der Lommatzscher Pflege. Unter anderem am 14. September 2003, zum Tag des offenen Denkmals, lädt der Verein zur Besichtigung des bis dahin bereits zum größten Teil restaurierten Gebäudes ein. Rund um die Bahn gibt es viel Wissenswertes zu sehen und zu erfahren. Informationen erteilen Herr Frank, Telefon 03521/453694, oder Herr Jankowski, 035247/51053. Im Netz kann man sich unter „www.wilsdruffer-schmalspurnetz.de“ informieren.

Die Bahntrasse bis Görna-Krögis ist nur schlecht begehbar, doch von der parallel führenden Straße noch gut einsehbar. Das dortige Stationsgebäude hat mit dem Jugendklub Görna einen neuen Nutzer gefunden. Im Anschluß an den Bahnhof wurde die Trasse auf etwa 400 m abgetragen, bevor der zweite als Wanderweg ausgebaute Abschnitt beginnt. Bald erreicht man den am Ortsrand liegenden Bf. Mauna. Vorbei an der zu Bahnzeiten bekannten Maunaer Mühle folgen wir der Trasse nach Leutewitz. Innerhalb des Ortsbereiches ist die Trasse nicht ausgebaut. Den alten Bahnhof des Ortes, er dient heute als Sitz des Deutschen Anglervereins, erreichen wir deshalb auf der Straße. Vor dem Stationsgebäude befindet sich jetzt ein großes Fischaufzuchtsgewässer, dahinter findet man den Kasten eines GGw. Weiter nutzen wir die alte Trasse. Vorbei an der Kulisse des Steinbruches mit der Ruine des Brechwerkes erreichen wir bald den Bf. Käbschütz, der heute von Jägern als Domizil genutzt wird. Hier endet die ausgebaute Trasse, deren weiterer Verlauf aber stellenweise noch gut erkennbar ist.

Im Käbschütztal und im folgenden Ketzerbachtal verlief der Bahnkörper auf der Talsohle, meist in größerem Abstand zum Bach. Teilweise wurde die Trasse in den achtziger Jahren abgetragen, da der Bau eines Rückhaltebeckens geplant war, das aber nie ausgeführt wurde. Erst vor dem Bf. Zöthain beginnt wieder der Bahndamm. Das Stationsgebäude befindet sich als einziges der Strecke in einem schlechten Zustand. Zwischen Zöthain und Mertitz wurde eine Ortsverbindungsstraße unter teilweiser Einbeziehung der Bahntrasse gebaut.

Auf ihr erreicht man die einst bekannte Station Mertitz-Gabelstelle. Das Stationsgebäude, ein Unikat in landschaftsbezogenem Baustil, erinnert noch an die Zeit, als von hier die Züge nach Lommatzsch und Döbeln fuhren. Relikte der Bahn gibt es aber auch auf dem Abschnitt bis Lommatzsch zu sehen. Man muß jedoch die parallele Straße nutzen. Auch die Szenerie am Lommatzscher Bahnhof hat sich gründlich geändert. Wo einst die IV K-Loks am Wasserstationsgebäude ihren Wasservorrat ergänzten, befindet sich heute ein 2002 neu gestalteter Busbahnhof.

In diesem Zusammenhang gab es ursprünglich den Gedanken, das Wasserhäuschen abzubrechen, doch es wurde im Jahr 2000 auf Antrag und Initiative der IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e. V. gemeinsam mit den noch erhaltenen Trassen und Bahngebäuden im Abschnitt Lommatzsch – Löthain unter Denkmalschutz gestellt. An die Schmalspurzeit im Bf. Lommatzsch erinnert neben dem Wasserhaus auch der zweigleisige Lokschuppen. Seitdem im Mai 1998 der Reiseverkehr auf der Regelspur Nossen – Riesa eingestellt wurde, herrscht in Lommatzsch Betriebsruhe. Derzeit gibt es seitens der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH Bestrebungen zur Reaktivierung der Regelspur, vorrangig für den Schülerverkehr.
Peter Wunderwald/Holger Drosdeck

Literaturtip:
Wer mehr zur Geschichte der Schmalspurbahnen um Lommatzsch erfahren möchte, dem seinen folgende Bücher, die sich in profunder Weise mit der Historie der Strecken befassen und bestens teils in Farbe illustriert sind, empfohlen:
Die Schmalspurbahn Lommatzsch – Löthain – Meißen-Triebischtal, (112 Seiten, 17,85 Euro)
Die Schmalspurbahn Lommatzsch – Döbeln, (288 Seiten, 27,- Euro)
Beide Titel wurden von der IG Verkehrsgeschichte Wilsdruff e. V., PF 31 in 01723 Wilsdruff verlegt und sind nur über diese zu beziehen. Die Titel sind nicht im Buchhandel erhältlich.


zum Preß-Kurier | Artikel älterer Ausgaben