Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XIV)

Goßdorf-Kohlmühle – Hohnstein

Die 12,17 km lange Schmalspurbahn Goßdorf-Kohlmühle – Hohnstein verband einst die Stadt Hohnstein und die Gemeinden entlang des Schwarzbaches mit der regelspurigen Strecke Bautzen – Schandau (BS-Linie).

Im April 1896 wurde mit dem Bau der Sekundärbahn mit 750 mm Spurweite begonnen, am 30. April 1897 konnte sie feierlich eröffnet werden. Doch die von der Bevölkerung liebevoll „Bimmelheinrich“ genannte Linie war nur ganze 55 Jahre in Betrieb. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung fuhr bereits am 27. Mai 1951 der letzte planmäßige Zug. Schon am nächsten Tag begann der Abbau der Strecke, welcher bereits im September des gleichen Jahres beendet wurde.

Den Anwohnern erklärte man, die Schienen der einzigen jemals in der Sächsischen Schweiz verkehrenden Schmalspurbahn – sächsische Profile nur wenig stärker als bei Feldbahnen – würden für den Bau des Berliner Außenrings benötigt. In Wahrheit war 1951 ein letztes Mal eine große Menge Schienen als Reparation an die Sowjetunion zu liefern, wo sie eingeschmolzen wurden, um für den Aufbau dieses Landes genutzt werden zu können.

Das Bild des ehemaligen Bahnhofes Goßdorf-Kohlmühle, der derzeit nur als Haltepunkt der BS-Linie dient, beherrschen bis heute die Gebäude der ehemaligen Papierfabrik. Doch die Fabrik hat ihre Glanzzeiten ebenso hinter sich wie das Empfangsgebäude und das nun zu Wohnzwecken dienende „Gasthaus zur Kohlmühle“. Neben den Wirtschafts- und Nebengebäuden sind in Kohlmühle noch das Bahnwärterhaus und ein alter Betonprellbock der Schmalspurbahn zu finden. Der Lokschuppen wurde 1976 abgerissen. Der Schwarzbachbahn e. V. hat in einer zu DDR-Zeiten errichteten Baracke gegenüber des Bahnhofes sein Domizil aufgeschlagen.

Von der Brücke über die Sebnitz am Bahnhofsausgang sind nur noch die Widerlager zu sehen. Dahinter lagen die Gleise der Schmalspurbahn einst 1200 m parallel zur Regelspurlinie. Bei Streckenbegehungen muß deshalb zunächst ein parallel verlaufender Wanderweg genutzt werden, der aber recht bald auf der ehemaligen Schmalspurtrasse entlang verläuft. Nur wenige Meter nach der Trennung beider Strecken überquerten die Schmalspurzüge ein letztes Mal die Sebnitz. Dazu wurde 1897 eine mehrbogige Stahlbetonbrücke errichtet, die noch heute sehr beeindruckend ist. Kurz hinter der Brücke befindet sich am alten Bahnkilometer 1,5 der erste von zwei Tunneln der Schwarzbachbahn. Anschließend tritt die Bahn in das Tal des Schwarzbaches ein. Bis hinter den zweiten Tunnel verläuft heute ein markierter Wanderweg auf der landschaftlich bezaubernden Trasse. Hinter dem zweiten Tunnel, in dessen Portal noch das Jahr seiner Fertigstellung – 1897 – eingeschlagen ist, wird der Schwarzbach das erste Mal mit einer Stahlträgerbrücke überquert.

Von der nächsten Brücke sind nur noch die Widerlager vorhanden, so daß hier ein Ausweichen unumgänglich ist. Wenig später erreicht man – das enge Tal verlassend – den ehemaligen Bahnhof Lohsdorf, auf dem die Mitglieder des Schwarzbachbahnvereines eine Eisenbahnschauanlage errichten. Gegenwärtig sind der komplette GGw K 3028 (97-12-32) und die Kästen der GGw 97-12-39 und 97-14-30 und des Packwagens 974-335 vorhanden. Von den ehemaligen Hochbauten ist aber nur ein Privatschuppen am Ende des ehemaligen Ladegleises erhalten. Allerdings wurde vor einiger Zeit auch das Fundament für den Wiederaufbau der Unterehrenberger Wartehalle angelegt, die die Vereinsmitglieder im Oktober 2003 an Ort und Stelle zerlegt haben.

Am Ende des Bahnhofes überquerte die Bahn die Straße ins Dorf und fuhr nun stets parallel zur Straße nach Ehrenberg. Die nächsten etwa 500 m muß man bei Begehungen diese Straße nutzen, da der Bahndamm hier teils zugewachsen ist oder nicht mehr existiert. In Ehrenberg verläuft der Wanderweg überwiegend auf der alten Trasse. Unter dem Splittbelag befindet sich jedoch seit Anfang der neunziger Jahre der Hauptabwasserkanal des Ortes. Die markanten kleinen Betonbrücken blieben bei diesen Arbeiten erhalten. Die sich zuletzt sehr heruntergekommen präsentierende Wartehalle von Unterehrenberg blieb, wie erwähnt, erhalten und soll in Lohsdorf neu entstehen.

Bis Oberehrenberg überquerte die Bahn im weiteren Verlauf mehrfach Bach und Straße. Direkt vor der ehemaligen Station Oberehrenberg sind von einer Brücke über einen Wirtschaftsweg nur noch die Widerlager erhalten geblieben. An die Station Oberehrenberg erinnert bis auf einen Schuppen nichts mehr. Die hölzerne Wartehalle wurde Mitte der neunziger Jahre abgerissen. Ab Oberehrenberg folgt man der Strecke am besten auf der parallel verlaufenden Straße in Richtung Neustadt (Sachs), da der Bahndamm hier auf Privatgelände verläuft. Teilweise ist der Bahndamm auch nicht mehr vorhanden.

Der Einschnitt kurz vor dem Ortsausgang Ehrenberg, durch den die Bahn das Tal in einem 100° Linksbogen verließ, ist im Beginn noch zu erkennen, dann jedoch zugeschüttet. An der Kreuzung der Straßen nach Hohnstein und Neustadt befand sich einst ein Bahnübergang, vom dem aber nichts mehr auszumachen ist. In diesem Bereich wurde der Bahndamm komplett überackert. Erst ab der Hohnsteiner Sachsenberg-Siedlung ist der Streckenverlauf wieder erkennbar. Hier führt jetzt ein unbefestigter Fahr- und Gehweg auf der Trasse entlang. Nach der „Kleingartenanlage am alten Bahndamm“ und dem Sportplatz querte die Strecke die Straße und verläuft parallel zu dieser über das Gelände des heutigen Bauhofes der Stadt Hohnstein. Nach ca. 200 m wird der Bahndamm bis zum Bahnhofsgelände wieder als Wanderweg genutzt. Am Kilometer 11,7 wird die zweite Stahlbetonbogenbrücke mit schotterloser Fahrbahn, ähnlich der im Sebnitztal, überquert und der Bahnhof Hohnstein nach einem langen Linksbogen erreicht.

Das Bahnhofsgelände von Hohnstein beheimatet heute ein Busunternehmen und ist nur bedingt zugänglich. Der Lokschuppen wurde verlängert und dient nun als Busgarage. Die Nebengebäude sind ebenfalls erhalten. Das Empfangsgebäude selbst wird als Wohn- und Geschäftshaus genutzt. Im Bereich der Ladegleise befindet sich u. a. ein öffentlicher Parkplatz. Vom Charme, den das ehemalige Hotel „Schweizergarten“ auf alten Fotos und Postkarten versprüht, ist nicht viel übrig geblieben.

Für Begehungen können die Wanderkarten „Brand/Hohnstein“ und die „Große Karte der Sächsischen Schweiz“ von Rolf Böhm empfohlen werden. In diesen ist der Verlauf der ehemaligen Schmalspurbahn Kohlmühle – Hohnstein eingezeichnet. Übrigens: Der „Ausbau“ eines markierten Bimmelbahnwanderweges wäre auf der Gesamtstrecke für die nähere Zukunft erstrebenswert, da der Bahndamm in großen Teilen begehbar ist. Der Wiederaufbau der Strecke, den sich der Verein langfristig als Ziel gesetzt hat, wird noch lange ein Wunsch bleiben.

Veronika Michael


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