Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XVI)

Taubenheim – Dürrhennersdorf

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Reichsgründung 1871 entwickelte sich auch in Beiersdorf, Oppach und Schönbach die Textilindustrie, und es entstanden neue Industriezweige der Stein- und Metallverarbeitung. Die Besitzer der Steinbrüche, Schleifereien, Mühlen und Webereien hatten entsprechend ein großes Interesse an einer Eisenbahnverbindung von Taubenheim nach Dürrhennersdorf. Der sächsische Landtag stimmte aber nur dem Bau einer schmalspurigen Sekundärbahn zu. Dieser begann im September 1890, und schon am 1. November 1891 konnte die 12,04 km lange Strecke in Betrieb genommen werden.

Bespannten anfangs noch Loks der sächsischen Gattung I K die Züge, waren es später die IV K. Das Vorhandensein „kriegswichtiger Produktion“ in Oppach brachte die Strecke nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Liste der Reparationsgüter. Am 17. September 1945 verkehrte auf der von der Bevölkerung liebevoll „Klimberch“ genannten Schmalspurbahn der letzte planmäßige Zug. Bereits am 20. September wurde mit dem Abbau begonnen und dieser auch schnell beendet.

Doch auch heute finden sich vor Ort noch Relikte aus der Schmalspurzeit. In Taubenheim ist der Güterschuppen noch ebenso vorhanden wie die Beamtenwohnhäuser. Das einst von Regel- und Schmalspur gemeinsam genutzte Empfangsgebäude steht heute leer und ist verfallen. An den im Jahre 2002 abgerissenen Lokschuppen erinnert noch eine Hinweistafel und der dahinterliegende Brunnen. Nach dem Bahnhof lagen die Gleise noch etwa 200 m parallel zur Regelspurtrasse. Die Schmalspurwiderlager der Brücke am Kilometer 0,22 sind auch noch heute zu sehen. Danach bog der „Klimberch“ nach links ab und durchfuhr einen etwa 200 m langen Einschnitt. Nach Querung der Dorfstraße führte die Strecke über eine Flutbrücke und über den auf zehn Pfeilern ruhenden Spreeviadukt. Pfeiler und Widerlager sind auch heute noch vorhanden. Nach dem Verlassen von Taubenheim folgte die Bahn dem „Alten Graben“.

Die Trasse selbst ist hier mit Bäumen und Sträuchern zugewachsen. Kurz vor Oppach findet man mitten im Gebüsch noch den Hektometerstein 19 (km 1,9). Am Ortseingang von Oppach wurde die heutige B 98 gekreuzt. Der anschließende Bahndamm ist noch vorhanden, jedoch verbaut. Von der sich anschließenden Brücke über die Lindenberger Straße sind noch die Widerlager vorhanden. Danach ist von der Bahn und ihren Verlauf nichts mehr auszumachen. Auf dem ehemaligen Bahnhofsgelände Oppach findet man noch heute das jetzt Wohnzwecken dienende Empfangsgebäude und ein Wirtschaftsgebäude. Nach dem Verlassen des Bahnhofes querte die Strecke abermals die Straße. Der Trassenverlauf ist anhand des Bewuchses bis zum Westwiderlager des Oppacher Viaduktes noch zu erahnen.

Nach dem Ostwiderlager ist der Bahndamm recht gut erhalten und durch Bäume markiert. Diesen kann man bis zum Forstrevier „Großer Wald“ parallel folgen. Im Forstrevier selbst ist der Bahndamm auf etwa 300-400 m so zugewachsen, daß vor allem von Frühling bis Herbst auf einen der Wander- und Waldwege ausgewichen werden muß. Danach führt der Wanderweg bis zur ehemaligen Haltestelle Beiersdorf parallel zur oder auf der Trasse entlang. Zwischen dem „Großen Wald“ und der Haltestelle werden dabei drei Brücken passiert. Die Laderampe von 1923, dem Jahr der Erweiterung, sowie ein Güterschuppen zeugen hier ebenso von der Eisenbahnvergangenheit wie die noch heute ansäßige Firma Michel, die zu Betriebszeiten der Bahn ein Zweiggleis besaß.

Von den nächsten beiden Brücken in der Ortslage Beiersdorf (km 6,05 und 6,19) sind ebenfalls nur noch die Widerlager und von ersterer auch noch ein Pfeiler vorhanden. Über einen markierten Wanderweg gelangt man an Kirche und Friedhof vorbei zur zweiten Brücke, hinter welcher der Wanderweg dann wieder die Trasse nutzt. Nach etwa 300 m läuft dieser dann parallel weiter, da der Bahndamm hier teils abgetragen, verbaut oder zugewachsen ist. Ab dem Kilometer 6,8 (Stein vorhanden) durchfuhr die Bahn einen Einschnitt bis zum Scheitelpunkt der Strecke, dem Haltepunkt Oberschönbach. Dieser ist mit einer Informationstafel markiert. Zu entdecken sind hier der Hektometerstein 73 und der hierher versetzte Stein 94. Direkt nach dem Haltepunkt wird die Straße überquert und die Trasse ist auf noch 200 m begehbar. Danach ist diese bis zur Haltestelle Schönbach nicht zugänglich und man muß die parallel verlaufenden Straßen nutzen.

Von der Haltestelle Schönbach ist nur der Privatschuppen geblieben, die originale Wartehalle ist vor einigen Jahren abgebrannt. Nach dem Verlassen der Haltestelle ist bis zum Kilometer 9,5 aus vorgenannten Gründen abermals die Straße zu benutzen. Dann folgt ein Rad- und Wanderweg der Trasse bis zum Viadukt in Dürrhennersdorf. Unterwegs passiert man den Haltepunkt Unterschönbach, der in seiner Lage nur noch an der sich anschließenden Brücke erkennbar ist. Nach dem Passieren eines kleinen Einschnittes wird die Schönbacher Straße kurz vor der Ortslage Dürrhennersdorf überquert und der Endbahnhof kommt langsam in Sicht. Vom Viadukt mit seinen 64 m Spannweite sind nur noch die Widerlager vorhanden. Danach geht es über einen eindrucksvollen Damm in einem Linksbogen zum Bahnhof.

Kohle- und Lokschuppen sind noch vorhanden, präsentieren sich aber in einem bedauernswerten Zustand. Die beiden Beamtenwohnhäuser wurden durch Einfügen eines Mittelbaus verbunden. Davor finden sich zwei als Schuppen genutzte Schmalspurgüterwagenkästen (GGw). Das Schmalspurgelände ist fast komplett mit Lager-/Werkhallen zugebaut. Der Güterschuppen mit Laderampe ist ebenso verwaist wie das Empfangsgebäude. Konnte man zu Betriebszeiten der Schmalspurbahn direkt von und zu der Regelspurzügen der Strecke Löbau – Ebersbach umsteigen, fährt hier jetzt gar kein Zug mehr. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2002 wurde diese Strecke eingestellt. Zurück geht es nun zu Fuß oder mit dem Auto.

Veronika Michael


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