Stillgelegte Schmalspurbahnen heute (Teil II)

Mulda – Sayda

Am 17. Juli jährte sich die Stillegung der südlich von Freiberg gelegenen Schmalspurbahn Mulda – Sayda zum 35. Mal. Über 69 Jahre lang hatte die Bahn zum Alltag der Anwohner gehört. Vom 1. Juli 1897 bis zum 17. Juli 1966 verband die Schmalspurstrecke die erzgebirgische Kleinstadt Sayda und die Anliegergemeinden mit dem Rest der Welt. Doch noch immer sind einige Zeugnisse der Eisenbahn durch das Tal des Chemnitzbaches auszumachen.

Der ehemalige Schmalspurteil des Bahnhofs Mulda ist heute größtenteils von einer Bitumendecke überzogen, andere Teile liegen brach und sind von Unkraut überwuchert. Der einständige Lokschuppen wurde in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre abgerissen. In der Nähe des Empfangsgebäudes zeugt noch ein kurzes Stück Schmalspurgleis von dem einstigen Vorhandensein der Strecke. Auf diesem Gleisrest stand bis 1991 der heute auf der Preßnitztalbahn eingesetzte Packwagen 974-316. Der Bahnhof Mulda wird heute im Stundentakt mit Triebwagen der Freiberger Eisenbahn bedient. Neben dem Stellwerk der Regelspur erinnert der Kasten des GGw 97-15-19 an die Schmalspurzeit.

Die Kästen des Sitzwagens 970-362 und GGw 97-14-23 erwarb 1991 ebenfalls die IG Preßnitztalbahn e. V. und überführte sie nach Jöhstadt, wo der GGw heute als Lagerschuppen dient und der „Großfenstrige“ Ersatzteilspender für 970-408 wurde.

Von der großen Stahlbrücke hinter der Bahnhofsausfahrt in Mulda existieren heute nur noch vier steinerne Brückenpfeiler. Fünf der Pfeiler wurden bereits abgetragen. In der Folge ist der Bahndamm zumeist noch zu erkennen. Allerdings fällt die Orientierung teilweise schwer, wenn das Planum zu sehr in das Geländeniveau übergegangen ist. Vom Haltepunkt Wolfsgrund ist nichts mehr zu sehen. Die Wartehalle blieb jedoch erhalten, nach einigen Umbauten steht sie heute an der Straße und dient als Buswartehäuschen.

An der ehemaligen Haltestelle Dorfchemnitz kann man ein Sammelsurium von landwirtschaftlichen Nutzfahrzeugen bewundern. Die Station Voigtsdorf ist heute Firmengelände. Vom Haltepunkt Unterfriedebach ist nichts mehr auszumachen. In Friedebach selbst sind noch das hölzerne Stationsgebäude und ein regelspuriger gedeckter Wagenkasten aus der Schmalspurzeit vorhanden. Ein regelspuriger Personenwagenkasten erinnerte bis vor kurzem ebenfalls an die Eisenbahn, er ist inzwischen jedoch bis auf den Rahmen zerlegt. Zwischen Unterfriedebach und Friedebach sowie zwischen Friedebach und Sayda sind die Stahlträgerbrücken der Schmalspurbahn erhalten geblieben.

Auf dem Bahnhof Sayda dient das Empfangsgebäude seit 1974 als Kindergarten. Vor dem sächsischen Klinkerbau gibt eine Schautafel Auskunft zur Strecke Mulda – Sayda. Der Lokschuppen und der Güterschuppen befinden sich noch weitgehend im Originalzustand. Schließlich zeigt auch in Sayda ein kurzer Gleisrest die Vergangenheit des Areals als Bahnhofsgelände auf.
Holger Drosdeck

In der Printausgabe sind zusätzlich einige Fotos sowie Verweise zu bisherigen Veröffentlichungen enthalten

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