Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XXIII)

Die Regelspurstrecke Dürrröhrsdorf - (Dresden-) Weißig-Bühlau

Die in Dürrröhrsdorf von der am 15. Oktober 1875 eröffneten Linie Pirna - Arnsdorf (bei Dresden) abzweigende regelspurige Stichstrecke nach Weißig-Bühlau (um 1950 in Dresden eingemeindet) zählt zu den in Sachsen weniger bekannten Eisenbahnlinien, wurde sie doch bereits nach dem Zweiten Weltkrieg als Reparation demontiert. Doch noch immer erinnern mehrere Hochbauten und Bahndämme an die knapp vier Jahrzehnte, in denen man auf den Höhen des Dresdner Elbkessels nach Weißig-Bühlau reisen konnte.

Bereits 1880 gründete sich ein Komitee zum Bau einer Eisenbahn von Dresden nach Dürrröhrsdorf. Um die Höhenunterschiede beim Aufstieg aus dem Elbtal besser bewältigen zu können, schlug man 1893 den Bau einer Meterspurbahn vor. Für diese wurden mehrere Varianten erarbeitet, die sich vor allem mit dem Anschluß und der Nutzung der Straßenbahn vom Dresdner Postplatz über das Feldschlößchen nach Bühlau beschäftigten. Letztendlich kam es zum Bau einer regelspurigen Sekundäreisenbahn von 14,69 km Länge, die als Verlängerung der Linie Neustadt (Sachs) - Dürrröhrsdorf in Weißig-Bühlau ihren Endpunkt erhielt. Als Abkürzung verwendeten die K. Sächs.Sts.E.B. das Kürzel NWg.

Eröffnet wurde der Abschnitt von Dürrröhrsdorf nach Weißig-Bühlau am 1. Juli 1908. Die Entfernung zwischen dem Bahnhof und der Endstation der genannten Straßenbahn betrug 1,5 km. Somit erhielt die Sekundärbahnlinie für den Güterverkehr nach Dresden kaum Bedeutung. Es galt lediglich, Kohle zu den Haushalten entlang der Strecke und landwirtschaftliche Produkte von den Orten in die umliegenden Städte zu transportieren. Auch im Reiseverkehr hielten sich die Beförderungszahlen in Grenzen, so daß der Abschnitt Dürrröhrsdorf - Weißig-Bühlau der NWg-Linie nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Liste der Strecken kam, deren Schienen als Reparation in die Sowjetunion zu bringen waren.

60 Jahre danach ist in Dürrröhrsdorf die Ausfädelung des Gleises nach Weißig-Bühlau noch immer sicher auszumachen. In Richtung Porschendorf ist das einzige Viadukt der Linie, eine Betonbrücke mit drei Bögen, erhalten geblieben. Über dieses führt seit 2002 ein Radweg. In der Ortslage von Wünschendorf ist der Bahndamm teils überbaut, aber noch erkennbar. Der Bahnhof des Ortes befand sich am Ortsausgang in Richtung Eschdorf, zuvor hatte die Eisenbahn die Straße nach Dittersbach zu überqueren - die Widerlager dieser Brücke sind noch heute erhalten. Am ehemaligen Haltepunkt Eschdorf, in einem Einschnitt südlich des Ortes in der Nähe der Kirche St. Barbara, stehen die Reste der Wartehalle - einem typischen sächsischen Einheitsbau, wie er z. B. am Hp Wilsdruff noch komplett erhalten ist. Da neben dem alten Bahnbau bereits ein neues Holzhaus für Wanderer errichtet wurde, ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis die Reste der Wartehalle entfernt werden.

Zwischen Eschdorf und Schullwitz befand sich der gleichnamige Bahnhof, zu dem eine Ladestraße führt, die bis heute von Begrenzungssteinen aus Sandstein gesäumt ist. Hochbauten gibt es hier nicht mehr, dafür ist in Schullwitz eine Betonbrücke über eine Ortsstraße erhalten geblieben. Anschließend war die NWg-Linie über das Schönfelder Hochland trassiert. Die Stationen Schönfeld und Cunnersdorf sind noch auszumachen, aber ohne Gebäude. Diese Situation bietet auch das Gelände des Endbahnhofs in Weißig-Bühlau, wo sich heute ein Baumarkt befindet. An die Eisenbahn erinnern hier nur einige Pflasterstraßen...

André Marks


zum Preß-Kurier | Artikel älterer Ausgaben