Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XXV)

Gottleubatalbahn Pirna - Gottleuba

Am 19. Juli 1880 wurde sie eröffnet: Die erste Sekundärbahn der Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen. Sie war eine Normalspurlinie und führte von Pirna aus durch das Gottleubatal auf vorerst 14,9 km Länge nach Berggießhübel. Am 30. Juni 1905 wurde die 2,7 km lange Verlängerung von Berggießhübel nach Gottleuba feierlich eingeweiht. Die als PGl-Linie bezeichnete Strecke gehörte zu den rentabelsten Nebenbahnen der K.Sächs.Sts.E.B.

Der Reiseverkehr wurde seit August 1970 als Schienenersatzverkehr erbracht und 1974 auch offiziell eingestellt, das Ende des Güterverkehrs auf der Gesamtstrecke kam 1976. In den kommenden Jahren folgte der Streckenrückbau zwischen km 8,3 und dem Streckenendpunkt. Das definitive Ende der Reststrecke fand zum Jahreswechsel 1997/98 mit der offiziellen Einstellung des Güterverkehrs statt, die dauernde Stillegung wurde per 28. Februar 1999 verfügt und die Gleise bis ins Jahr 2002 fast vollständig abgebaut.

Doch auch heute noch kann man den Spuren der Gottleubatalbahn folgen. Im Bahnhof Pirna verließ die PGl-Linie die Hauptbahn nach Dresden in einem engen Linksbogen Richtung Süden und überquerte noch im Bahnhofsbereich das erste Mal die Gottleuba. Hier findet man bis zum BÜ Glashüttenstraße das letzte Stück Streckengleis. Direkt nach der Querung der B 172 ist der Hp Pirna Solidarität (km 1,07) erreicht, von dem nur noch Reste zu erkennen sind. Bis zum Hp Pirna Süd (km 1,88) läßt sich die Strecke trotz Bewuchses gut erlaufen.

Unterwegs finden sich bis heute zahlreiche Holz- und Betonschwellen. Der Abzweig der ehemaligen Sekundärbahn nach Großcotta am km 1,7 ist gut auszumachen. Neben dem Empfangsgebäude sind hier noch ein Wirtschaftsgebäude, das ehemalige Bahnhofsrestaurant, das Bahnwärterhaus und ein alter Regelspurwagenkasten erhalten geblieben. Kurz nach dem BÜ Zehistaer Straße wird die nach dem Hochwasser 1957 errichtete 70 m lange Stabbogenbrücke (km 2,59) erreicht. Hier fängt ein Teil des neuen Radweges an, der perspektivisch bis nach Bad Gottleuba führen soll.

Rechts der Straße entlang geht es nun bis Rottwerndorf, wo der Ortskern westlich umfahren wird. Vor dem BÜ mit dem Weg der Jungen Pioniere findet sich noch ein vergessenes Signal. Die Bedeutung des Bf Pirna-Rottwerndorf (km 6,45) ist noch zu erahnen, die Hochbauten samt modernem Stellwerk sind noch vorhanden. Bis Neundorf führt die Strecke wieder - diesmal links - der Straße entlang. Das Areal des Hp Pirna-Neundorf (km 7,59) wurde nach dem Rückbau in das Gelände der angrenzenden Chemiefabrik eingegliedert. Von der Stahlbrücke am km 8,36 sind seit Ende der achtziger Jahre nur noch die Widerlager vorhanden.

Der folgende Abschnitt bis Langenhennersdorf ist im Juni 2005 nicht begehbar gewesen. Etwa am Streckenkilometer 11 stößt man wieder auf den alten Bahnkörper und überquert die nach dem Hochwasser 1927 neu errichtete Gottleubabrücke am km 11,44, um kurz danach den Bf Langenhennersdorf (km 11,66) zu erreichen. Das Bahnhofsgebäude und das angrenzende Areal zeigen sich in einem lobenswerten Zustand. Am km 12,02 existieren noch der Steinbogenviadukt von 1880 sowie die Reste der 1928 neu errichteten Fachwerkstahlbrücke. Bis zum km 13,56 (BÜ „Zur kleinen Bastei“) ist die Strecke freigeschnitten und „vergessene“ Telegrafenmasten säumen den Weg. Auf den folgenden Metern ist die Strecke wieder asphaltiert und bis zum Bf Berggießhübel als Schilder-Lehrpfad angelegt. Vom Hp Berggießhübel-Zwiesel (km 13,74) zeugen noch der mehrfach verlängerte Bahnsteig, der Hektometerstein 137 und das wiederaufgestellte Stationsschild.

Auf dem Gelände des Bahnhofs Berggießhübel (km 14,93) weist nur noch das Empfangsgebäude auf den Anschluß der Stadt an die Bahn hin. Von der Brücke über die Gottleuba an der Bahnhofsausfahrt ist nur noch das nördliche Widerlager erkennbar. Das Betonviadukt im Kurpark (km 15,15) mit seinen 5 Bögen ist ebenso noch vorhanden wie auch die sechsgliedrige Stahlbrücke am km 15,49, welche die Gottleuba und den Mühlgraben überspannt. Am km 16,85 wird letztmalig die Gottleuba überquert. Kurz hinter einem Großmarkt findet man den Lokschuppen Gottleuba. Dieser steht gut erhalten auf einem Privatgelände. Das Ensemble des Bf Gottleuba (km 17,61) wird durch das ungewöhnliche Empfangsgebäude, das Wirtschaftsgebäude und den Güterschuppen abgerundet. Zu den Feierlichkeiten „100 Jahre Eisenbahn Pirna - Gottleuba“ ist eine Jubiläumsbroschüre erschienen. Weitere Informationen hierzu finden sich im Netz unter www.gottleubatalbahn.de.

Veronika Rother


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