Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil XXVII)

Pirna - Großcotta ( - Lohmgrund)

Bereits mit der Planung und beim Bau der Bahnlinie von Pirna nach Berggießhübel (spätere PGl-Linie, siehe PK 85) wurde eine Anbindung der Steinbrüche des Lohmgrundes gefordert. Diese lagen jedoch etwa 25 Meter über dem Höhenniveau der PGl-Linie, so daß ein Anschluß der Steinbrüche an diese Strecke nicht möglich war. In den folgenden Jahren wurden viele weitere Steinbrüche eröffnet, die Transportbedingungen verschlechterten sich dadurch zunehmend. Der Bau einer Feldbahn nach Rottwerndorf scheiterte ebenfalls. Letztendlich entschied man sich im Juni 1890 aufgrund der guten Gewinnaussichten durch den Sandsteintransport für den Bau einer regelspurigen Staatsbahnstrecke. Um die Baukosten gering zu halten, wurde diese als Sekundärbahn ausgeführt.

Im April 1893 fand der offizielle Baubeginn statt, im Dezember desselben Jahres wurden die Bauarbeiten auch schon weitestgehend beendet. Die offizielle Eröffnung der sogenannten PGc-Linie (bahnamtliche Abkürzung für Pirna - Großcotta) fand am 21. März 1894 nach der Fertigstellung des Cottaer Tunnels statt. Für den Reiseverkehr war die PGc-Linie stets unbedeutend, so daß dieser bereits im Jahre 1935 eingestellt wurde. Nach dem Krieg wurde er nochmals aufgenommen und im Jahre 1957 endgültig aufgegeben. Nach einer Lokentgleisung nahe Dohma wurde 1963 auch der Güterverkehr ab Pirna-Zehista eingestellt. Das Reststück der PGc-Linie erhielt 1976 eine vollständige Gleiserneuerung und wurde danach ab Pirna Süd als Anschlußgleis behandelt.Der stillgelegte Abschnitt wurde 1978/79 bis zum km 4,45 abgebaut. 1998 wurde der Bahnhof Pirna-Zehista offiziell geschlossen, die Strecke 1999 dauerhaft stillgelegt und bis 2002 abgetragen.

Nichtsdestotrotz finden sich auch heute noch zahlreiche Spuren dieser Bahn. Zwischen Pirna und dem Hp Pirna Süd nutzte die PGc-Linie das Gleis der PGl-Linie mit. Dieser Abschnitt wurde daher schon im PK 85 behandelt. Ab Pirna Süd bis etwa zum km 4,0 PGc sind die Betonschwellen noch vorhanden und die Strecke ist gut begehbar. In den Bahnübergängen liegen größtenteils noch die Schienen. Nicht passierbar ist die Seidewitzbrücke am km 2,78. Diese läßt sich aber leicht umgehen. An der Hst Pirna-Zehista (km 3,81) findet man neben dem als Wohnhaus genutzten EG noch die Laderampe und ein altes Lademaß. Nach dem BÜ Liebstädter Straße (km 4,13) folgt die Trasse parallel der Straße. Hier findet sich mitten im Wald noch ein 1978/79 vergessenes, eingewachsenes altes Gleisstück. Die Bahrebachbrücke am km 4,45 fehlt seit 2002. Die Durchquerung des Flusses wird jedoch durch die Entdeckung weiterer Zeitzeugen der Bahn belohnt: So mancher Hektometerstein und ein nicht endenwollendes Band morscher Holzschwellen, welches bis zur Haltestelle Dohma (km 6,34) führt, erblickt das Auge des Spurensuchers in diesem Streckenteil. In Dohma erinnern z. B. auch die Widerlager der Brücke (km 6,5) an die Bahn.

Ab hier ist die Strecke als offizieller Wanderweg zum Cottaer Tunnel markiert. Immer wieder sind Schwellenreste und so manches Gleisstück zu entdecken. Die Hst Großcotta wird am km 8,23 erreicht. Neben dem EG und dem Restaurant erzählen Laderampe und die Reste des Portalkranes von Zeiten regen Bahnverkehrs. Stieg die Strecke bisher stetig an, so fällt sie jetzt zum Tunnel hin ab. Am Westportal des 256 Meter langen Cottaer Tunnels (km 8,57) ist das vorläufige Ende der Tour, denn der Tunneleingang ist verschlossen. Einen Blick auf das Ostportal kann nur bekommen, wer die Staatsstraße überquert und nach mehreren hundert Metern gen Süden einen Wirtschaftsweg steil in den Lohmgrund absteigt. Die Reste der Ladestelle Lohmgrund (km 8,92) sind noch gut auszumachen, ebenso das Netz der Anschlußstellen. Das Ostportal des Tunnels wurde direkt aus dem Felsen herausgearbeitet, es ist jedoch ebenso wie das Westportal zugemauert. Das Ende der PGc-Linie, die durch die Einlagerung der „Sixtinischen Madonna“ im Cottaer Tunnel während des Zweiten Weltkrieges zum Schutz vor den Luftangriffen auf Dresden Bekanntheit erlangte, ist erreicht. Statt die Strecke von hier zurückzulaufen, bietet sich der Abstieg ins Gottleubatal nach Pirna-Rottwerndorf an. Von da ab führt die ehemalige Trasse der PGl-Linie zurück zum Hp Pirna Süd und zum Pirnaer Bahnhof.

Veronika Rother


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