Stillgelegte Bahnen heute (Teil III)

Im PK 60 startete eine Fortsetzungsfolge von Beiträgen, die den heutigen Zustand stillgelegter Schmalspurbahnen beschreiben. Da diese Artikel auf reges Interesse stießen, entschloß sich die Redaktion, das Thema auch auf regelspurige Eisenbahnstrecken auszudehnen, die für eine solche Betrachtung in Frage kommen.

Falkenstein Lottengrün Plauen-Chrieschwitz / Oelsnitz/Vogtl.

Vorliegender Text widmet sich zwei eher unbekannten vogtländischen Bahnlinien.

Mit den ehemals von Lottengrün ausgehenden Eisenbahnen handelt es sich bau- und betriebsgeschichtlich um zwei Strecken. Der Streckenast Falkenstein Lottengrün Oelsnitz/V. ging am 1. November 1865 als Teilabschnitt der "Voigtländischen Staatseisenbahn" Herlasgrün Falkenstein Oelsnitz/V. Eger in Betrieb. Zum Zeitpunkt der Eröffnung war es eine vollwertige Eisenbahn, denn den Begriff der Sekundärbahn oder Nebenbahn gab es zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Bis zur Eröffnung der Linie Plauen Oelsnitz/V. 1874 gab es über die Relation hochwertigen Verkehr, so fuhren auch Eilzüge. Ab 1870 war die Strecke zwischen Bergen/V. und Lottengrün sogar für einige Jahre zweigleisig. Bis 1874 gehörte die Bahn betriebstechnisch zur HE-Linie (Herlasgrün Eger), ab 1874 zur HOe (Herlasgrün Oelsnitz/V.). Nun hatte die Strecke Plauen Oelsnitz/V. der HOe den Rang abgelaufen und wurde betriebstechnisch bis Eger als PE-Linie (Plauen Eger) weitergeführt. Die HOe wurde dadurch unbedeutender.

1903 jedoch wurde Lottengrün Abzweigstation. Zur Abfuhr des Theumaer Schiefers ging zwischen Lottengrün und Theuma eine 600 Meter lange Zweiglinie nur für Güterverkehr in Betrieb. Bis 1923 wurde diese bis Plauen-Chrieschwitz verlängert und mündete hier in die Elstertalbahn Gera Weischlitz. Die neue Bahn erhielt das Kürzel LPC für Lottengrün Plauen-Chrieschwitz.

Der Streckenast Lottengrün Oelsnitz/V. war nur bis zum 26. April 1951 in Betrieb. Angeblich zur Gewinnung von Stahlschrott für den Berliner Außenring mußten die Gleise demontiert werden. Zwischen Falkenstein und Plauen hielt sich der Verkehr bis zum 26. September 1970. Bis 1972 wurde in Theuma noch Schiefer verladen. 1974 begann der Gleisrückbau.

Begeht man heute die einstigen Bahnlinien ab Falkenstein, so findet man auf etwa zwei Kilometer Länge noch das ehemalige Streckengleis vor. Es wurde nach der Stillegung als Anschlußgleis zum Umspannwerk Dorfstadt vorgehalten. Durch den Ausbau der Vogtlandstrecken für den Regio-Sprinter 1996/97 ist es in Falkenstein jedoch nicht mehr an das übrige Gleisnetz angeschlossen. Im weiteren Verlauf ist die Trasse bis Lottengrün als Waldweg erhalten. In Bergen erinnern das Empfangsgebäude, der Güterschuppen und eine Bahnsteigkante an das Eisenbahnzeitalter.

Schon weit vor Lottengrün findet der aufmerksame Beobachter mehrere alte Umlenkrollen der mechanischen Drahtzüge für das Vor- und Einfahrsignal. In Lottengrün belegen Kleingärten und ein Lkw-Platz das frühere Bahngelände. Empfangsgebäude, Bahnsteigunterführung und Güterschuppen vermitteln aber auch 2001 noch Eisenbahnflair. Der LPC-Linie in Richtung Plauen folgend, ist die Trasse bis Plauen-Kleinfriesen noch vorhanden und sogar zum Teil durch Informationstafeln als solche gekennzeichnet. Der Bahnhof Theuma beherbergt heute Grünflächen und einen Spielplatz. Von Bahnanlagen ist hier nichts mehr auszumachen.

In Großfriesen steht seit 1981 eine Halle auf dem Bahnhof. Ansonsten wuchern Sträucher. Der Haltepunkt Neuensalz ist wie Theuma kaum noch erkennbar, da nichts an den Bahnbetrieb erinnert. Die Brücke über die A 72 wurde mit dem Ausbau der Autobahn nach 1992 abgerissen. Kurz vor Plauen-Kleinfriesen steht noch ein Steinbogenviadukt. An den folgenden Haltepunkt erinnert ebenfalls nichts mehr. Zwischen hier und Plauen-Chrieschwitz befindet sich seit Beginn der 80-er Jahre eine vierspurige Straße auf dem früheren Bahnplanum. Diese entstand im Zuge der Errichtung des Neubaugebietes "Chrieschwitzer Hang" und verbindet Plauen mit der A 72. In den Bahnhof Plauen-Chrieschwitz führte die Strecke in einem Einschnitt, welcher ebenfalls nach 1980 verfüllt wurde. Vom Chrieschwitzer Bahnhof liefen die Züge weiter bis Plauen unt. Bf., weshalb bis 1946 zwischen dem unteren und dem Chrieschwitzer Bahnhof zwei Streckengleise existierten.

Zwischen Lottengrün und Oelsnitz/V. ist die Bahntrasse ebenfalls zum größten Teil noch ersichtlich. Insbesondere der Bahnhof Untermarxgrün ist noch unverkennbar als solcher auszumachen. Eine Wanderung auf historischem Bahnpfad um Lottengrün ist auf jeden Fall eine Entdeckungsreise, auch abseits von Sonderfahrten oder Plandampfaktionen.


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