Stillgelegte Bahnen heute (Teil IV)

Wilischthal – Thum

Zehn Jahre ist es her, daß auf diesem Teilstück des Thumer Schmalspurnetzes der endgültig letzte dampflokbespannte Zug fuhr. Vielen Eisenbahnfreunden wird der 14. Dezember 1991 als ein unvergeßlicher Tag in Erinnerung bleiben, als die IG Preßnitztalbahn e. V. die damals noch in Oberwiesenthal beheimatete IV K 99 1586-9 für ein Wochenende nach Wilischthal umsetzte, um mit ihr auf den restlichen 1,5 Kilometern der Strecke Wilischthal – Thum Sonderzüge zu fahren. Diese Fahrten fanden fast 20 Jahre nach der eigentlichen Stillegung der Wilischtalbahn – und 105 Jahre nach deren Eröffnung statt.

Die Inbetriebnahme der Strecke Wilischthal – Thum mit ihrem Abzweig von Herold nach Ehrenfriedersdorf am 15. Dezember 1886 bedeutete den Grundstock für das 1911 fertiggestellte Schmalspurnetz von Thum. Zusammen mit der Strecke Schönfeld-Wiesa – Thum – Meinersdorf war es 56 Jahre lang komplett in Betrieb. Am 15. August 1967 wurde mit dem Abschnitt Schönfeld-Wiesa – Thum der erste Streckenteil stillgelegt. Mit der Einstellung des Reiseverkehrs auf dem Abschnitt Meinersdorf – Thum am 28. September 1974 endete der Personenverkehr. Auf der Wilischtalbahn verkehrte der letzte Zug bereits am 28. Mai 1972. Die 1,5 Kilometer von Wilischthal bis zur Papierfabrik blieben als Anschlußbahn noch bis zum Sommer 1992 in Betrieb. Doch was ist heute, knapp 30 Jahre nach der Stillegung der Wilischtalbahn, noch von ihr zu sehen?

Der Bahnhof Wilischthal wird im Regelspurteil noch heute von Triebwagen der Zschopautalbahn angefahren. Im Schmalspurteil liegen noch drei 750-mm-Gleise. Die Weichen, die Rollwagengrube und die Überladerampe für Schmalspurfahrzeuge wurden nach 1992 demontiert. Das 1,5 Kilometer lange Streckengleis bis zur Papierfabrik ist noch vorhanden, sogar der Bahnübergang hinter der Zschopaubrücke wurde in der Zwischenzeit nicht zugeteert. Die Gleise sind jedoch von hohem Bewuchs übersät und allein schon aus diesem Grund nicht mehr befahrbar, vom völlig verschlissenen Zustand ganz abgesehen.

Im weiteren Verlauf ist die Schmalspurtrasse noch vorhanden. Teilweise ist sie als Straße ausgebaut, zum Teil als Waldweg und abschnittsweise auch nur als Fußweg. Der Bahnhof Gelenau dient heute als Parkplatz, Bushaltestelle und Firmengelände (Kohlenlagerplatz). Als nächster Bahnhof zeigt sich die ehemalige Station Herold. Zwar sind auf dem Bahngelände eine Kfz-Werkstatt und ein Pkw-Parkplatz angesiedelt, aber wer die Ortsstraße entlang fährt, sieht schon von weitem ein Formhauptsignal mit sächsischem Gittermast. Es wurde in den letzten Jahren von Eisenbahnfreunden aufgestellt, die auch den Güterschuppen mit Warteraum pflegen, an den sie das Stationsschild „Herold/Erzgeb.“ angebracht haben. Ebenfalls vorhanden ist noch der hölzerne Freiabtritt und der zweiständige Lokschuppen.

Von den anderen zwei Herolder Haltepunkten konnte der Autor nichts mehr ausmachen. Am Kilometer 13,2 mündete die Schmalspurbahn in den Endbahnhof Thum. Der heutige Zustand des Bahnhofs wird in der nächsten Folge im Rahmen der Strecke Schönfeld-Wiesa – Thum – Meinersdorf beschrieben.

Holger Drosdeck


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