Stillgelegte Bahnen heute (Teil V)

Schönfeld-Wiesa Thum Meinersdorf

Nachdem im PK 63 die Strecke Wilischthal Thum des ehemaligen Thumer Schmalspurnetzes behandelt wurde, stehen in dieser Ausgabe die beiden anderen Äste des Netzes, zusammengefaßt als Linie Schönfeld-Wiesa Thum Meinersdorf im Mittelpunkt.

Wer Ende 2001 den Bahnhof Schönfeld-Wiesa betrat, fand immer noch einen kleinen Überrest der Schmalspurzeit vor einen kurzen 750-mm-Gleisrest im Bereich der früheren Rollwagengrube. Das etwa 1,5 Kilometer lange Streckengleis bis zur Papierfabrik Schönfeld bestand noch in regelspuriger Ausführung. 1985 wurde die schmalspurige Anschlußbahn zur Papierfabrik, der letzte Überrest des 1967 stillgelegten Abschnittes Schönfeld-Wiesa Thum, auf 1435 mm umgebaut. Genutzt wurde das Regelspurgleis nur acht Jahre lang bis 1993.

Die Brücke vor der Papierfabrik fehlt erst seit Sommer 2001. Von hier bis zur ehemaligen Haltestelle Tannenberg ist die ehemalige Bahntrasse nicht mehr zu erkennen, da sie unmittelbar neben der Straße verlief. Bei einer Verbreiterung verschwand der Damm unter Asphalt. Die Haltestelle Tannenberg ist heute eine Freifläche. Von hier aus ist der Bahndamm bis Geyer wieder sehr gut sichtbar. In Geyer erinnert der Denkmalszug mit 99 534 an der Spitze an das Bahnzeitalter (siehe Titelbild PK 63).

Zwischen Geyer und Ehrenfriedersdorf stand bis 1977 Deutschlands höchste Schmalspurbrücke, der Greifenbachviadukt. Seine Lage läßt sich noch durch die Brückenwiderlager sowie durch die Fundamente der Pfeiler ausmachen. Wie an anderen Stellen der Bahntrasse auch, weisen hier Schautafeln auf die frühere Existenz der Bahn hin. Der neuere Bahnhof Ehrenfriedersdorf, in Betrieb ab 1906, ist nur noch für das geübte Auge auszumachen, da er im wesentlichen bebaut ist, teilweise als Parkfläche für Pkw. Der ältere Bahnhof der Stadt (nahe der B 95), als solcher genutzt zwischen 1886 und 1906, beherbergt heute einen Kindergarten und eine Sportanlage. Das Empfangsgebäude verrät aber seine ursprüngliche Funktion sofort durch seine typische Architektur.

Im Folgenden lassen sich beide Schmalspurtrassen (die der alten Strecke Oberherold Ehrenfriedersdorf älterer Bahnhof [betrieben bis 1906] und die der neuen Linie zwischen Ehrenfriedersdorf neuerer Bahnhof und Thum [ab 1906]) gut erkennen. Der Bahnhof Thum wird heute als Firmengelände genutzt. Das massive Empfangsgebäude ist mustergültig saniert. Der Bahnhofsteil Richtung Meinersdorf/Wilischthal ist ein Pkw-Parkplatz geworden und dient darüber hinaus zum Abstellen von Linienbussen.

Lokschuppen und Reparaturhalle des ehemaligen Bw Thum stehen noch. Das Gelände ist umzäunt und die Gebäude stehen leer. Der Einschnitt in Richtung Wilischthal wurde auf Höhe des Bw-Geländes verfüllt.

Zwischen Thum und Meinersdorf ist die Schmalspurtrasse wiederum noch meistens erkennbar. Das Stationsgebäude auf dem Bahnhof Auerbach/Erzgebirge wird heute vom Deutschen Roten Kreuz genutzt. Es trägt noch den Schriftzug des Bahnhofsnamens. Hier und in Gornsdorf weisen auch die typischen Güterschuppen mit Holzverkleidung auf die ehemaligen Bahnhöfe hin. Vom Gornsdorfer Viadukt zeugen ebenfalls noch die Widerlager und Pfeiler. Der Schmalspurteil des Bahnhofs Meinersdorf läßt sich als solcher im Prinzip überhaupt nicht mehr erkennen. Wer den Schmalspurbetrieb nicht selbst noch kennt, hat seine Mühe, sich vorzustellen, wie es hier vor 1975 einmal ausgesehen haben könnte.

Der Bahnhof wurde nach Einstellung des Schmalspurbetriebes völlig umgestaltet. Der einständige Lokschuppen wurde abgerissen, auf dem einstigen Schmalspurareal kamen zum Teil Regelspurgleise zu liegen. Auch diese Anlagen werden seit mehreren Jahren nicht mehr genutzt. Der Bahnhof wird noch durch Triebwagen der Relation Chemnitz Aue angefahren, ist aber unbesetzt. Das Empfangsgebäude steht leer und verfällt zusehends. Im Inneren riecht es nach Urin. Die Szenerie macht einen sehr verwahrlosten Eindruck. Kundenfreundlichere Verhältnisse könnten hier in den nächsten Jahren mit der Sanierung der Zwönitztalbahn durch die Erzgebirgsbahn GmbH entstehen.

Holger Drosdeck


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