Stillgelegte Nebenbahnen heute (Teil IX)

Rollbockbahn Reichenbach unt. Bf. – Oberheinsdorf

Am 15. Dezember 2002 jährt sich ihre Eröffnung zum 100. Mal: Die Rollbockbahn Reichenbach unt. Bf. – Oberheinsdorf. Die im Vogtland gelegene, einzige mit Dampflokomotiven betriebene sächsische 1000-mm-Schmalspurbahn war bis zu ihrer Stillegung betrieblich wie auch schon rein äußerlich etwas Besonderes.

Ihre Linienführung mitten auf der jetzigen Bundesstraße 94 in der Stadt Reichenbach wäre heute undenkbar. Doch schon in den dreißiger Jahren war die Bahn zum Verkehrshindernis geworden. Dennoch blieb die kleine Linie notwendig. Erst am 3. November 1957 fuhr hier der letzte Reisezug, die Einstellung des Güterverkehrs erfolgte nach einem Unfall zum 14. September 1962. 1963/64 wurde die Strecke abgebaut. Doch was ist 40 Jahre nach der Stillegung der Bahn von ihr noch – und zum Teil auch wieder – zu sehen?

Wer heute mit dem Pkw die B 94 durch Reichenbach fährt, berührt auch den Bereich, wo früher die Regel- und Schmalspurgleise des unteren Bahnhofs von Reichenbach lagen. Fährt man aufmerksam, nimmt man hierbei den Güterschuppen sowie ein Verwaltungs- und das Empfangsgebäude als Bahngebäude war. An letzterem ist sogar noch die Anschrift „Reichenbach (Vogtl) unt. Bf.“ lesbar. Vom Startbahnhof führte die Strecke als Dreischienengleis ca. 400 Meter gemeinsam mit der Regelspur in Richtung Reichenbacher Altstadt. An zwei Haltepunkten, die jedoch eng beieinander lagen und somit für den Reisenden wie ein einziger wirkten, trennten sich beide Strecken: Die Regelspur hielt am Hp. Reichenbach-Reichsstraße und die Schmalspurbahn am Hp. Reichenbach-Altstadt. Weiter ging es über die heutige B 94 zum Hp. Reichenbach-Annenplatz.

Ab hier fuhr die Bahn die Heinsdorfer Straße entlang, bevor sie hinter dem Haltepunkt Unterheinsdorf West am km 2,6 RH (amtliche Abkürzung für die Strecke Reichenbach – Heinsdorf) auf einen eigenen Bahnkörper wechselte. Bis dahin ist von der Schmalspurbahn nichts mehr zu finden, denn die Bahn war in diesem Bereich straßenbahnartig trassiert, doch die Straße wurde inzwischen mehrfach umgebaut und saniert.

Auf den restlichen 2,8 Kilometern, auf denen die RH über einen eigenen Gleiskörper verfügte, ist dieser noch an einigen Stellen erkennbar. Teilweise wurde er jedoch schon zu DDR-Zeiten von der LPG eingeebnet, um eine bessere landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Das Areal des ehemaligen Endbahnhofs ist links der Straße nach Hartmannsgrün noch zu erkennen und wird heute durch eine Firma genutzt.

Zirka 200 Meter vor dem Bf. Oberheinsdorf ließ der 1997 gegründete Verein „Rollbockbahn e. V.“ 1998/99 einen Lokschuppen errichten, der dem ehemaligen Heizhaus in Reichenbach unt. Bf. nachempfunden ist. Seit 16. Oktober 1999 ist hier die letzte erhaltene Rollbocklok 99 162 untergestellt, die ihre sächsische Farbgebung mit der Nummer 252 trägt. Im Jahr 2001 errichtete man im Rahmen dieser Schauanlage einige Meter Gleis sowie eine Rollbockgrube, anhand der die Technik des Rollbockverkehrs dargestellt wird.

Als kleiner Literaturtip sei an dieser Stelle die im Oktober 2002 im Fotoverlag Jacobi erschienene Broschüre "100 Jahre Rollbockbahn" von Rainer Heinrich empfohlen. Sie ist alleine schon aufgrund der beiden Farbaufnahmen auf dem Titel ein "Muß" für jeden Schmalspurfreund. Bestellbar ist das Heft beim Fotoverlag Jacobi unter Telefon 037600/3318 für 3,50 " zuzüglich 0,77 " für Porto.
Holger Drosdeck


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