Eisenbahn aktuell

Hochwasserschäden im Westerzgebirge

Am 12. und 13. August 2002 entluden sich auch über dem Westerzgebirge die Wolken eines Tiefdruckgebietes und richteten erhebliche Zerstörungen an der Infrastruktur an. Ungebremst raste am Nachmittag des 12. August eine Hochwasserwelle das Schwarzwassertal von Johanngeorgenstadt nach Aue entlang. Die Schäden an Gebäuden waren dabei glücklicherweise geringfügig, das Schwarzwasser richtete jedoch erhebliche Zerstörungen an Bahnanlagen und Straßen an.

So war die Straße von Erla nach Antonsthal wegen eines Böschungsabganges fast zwei Wochen unpassierbar, am nördlich von Antonsthal gelegenen Bahnübergang entging das alte Bahnwärterhaus nur knapp seiner Zerstörung durch das Schwarzwasser. Die Erzgebirgsbahn hatte am Nachmittag des 12. August noch alle Fahrzeuge rechtzeitig aus dem Schwarzwassertal abgezogen und im höhergelegenen Bahnhof Lößnitz ob Bf in Sicherheit gebracht.

Nachfolgende Schäden waren zwischen Johanngeorgenstadt und Schwarzenberg zu verzeichnen:

  • Unterspülung des Bahndammes in Johanngeorgenstadt
  • Zerstörung der Böschung am ehemaligen Block Georgenthal
  • Zerstörung von Stützmauer und Bahnoberbau im Bahnhof Antonsthal, hier wurden beide Bahnhofsgleise unterspült
  • Überflutung und Schlammeintrag im Bereich des Haltepunktes Erla
  • im Bereich der Hakenkrümme bei Aue wurde die Böschung auf 50 m Länge vom Wasser abgetragen, das Gleis war nicht betroffen, jedoch die Tragfähigkeit massiv beeinträchtigt.

In der darauffolgenden Nacht konnte die Talsperre Eibenstock die Wassermassen der Mulde nicht mehr aufnehmen und lief über. Dabei wurden das Stadtzentrum von Aue und die Bahnhofstraße überflutet. Talabwärts beschädigte die Hochwasserwelle der Mulde die Böschung zwischen Fährbrücke und Wiesenburg, so daß der wegen Bauarbeiten eingerichtete Behelfsverkehr massiv beeinträchtigt wurde.

Bereits wenige Tage nach der Hochwasserlage begann die Erzgebirgsbahn mit den Instandsetzungsarbeiten. Die zerstörten Böschungen wurden erneuert und unterspülte Gleisabschnitte wiederhergestellt. Da aufgrund der laufenden Bauarbeiten zwischen Aue und Hartenstein Baufirmen vor Ort waren, konnten die vorhandenen Schäden kurzfristig beseitigt werden. Ab 5. September 2002 war der Abschnitt von Aue bis nach Antonsthal wieder für den Verkehr freigegeben. In einer großen Sperrpause vom 13. bis 15. September wurde der stärker betroffene Abschnitt zwischen Antonsthal und Johanngeorgenstadt instandgesetzt, so daß der Zugverkehr seit 16. September wieder planmäßig rollen kann.

Ab Mitte September wird nun auch der Abschnitt zwischen Fährbrücke und Wiesenburg wieder befahrbar gemacht, um auch hier kurzfristig wieder den zweigleisigen Betrieb aufnehmen zu können.
Falk Thomas


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