Historik Mobil 2010 im Zittauer Gebirge

Vom 6. bis 8. August lud die Zittauer Schmalspurbahn und der MC Robur Zittau e. V. zur nunmehr vierten „Historik Mobil“ ins Zittauer Gebirge ein. Bereits am 3. August reiste der diesjährige Stargast, die I K Nr. 54, in Zittau Vorstadt an. Nach dem Abladen vom LKW wurde sie direkt vor Ort angeheizt, um am Nachmittag einen Probezug mit der IV K Nr. 145 nach Oybin zu fahren. In Bertsdorf blieb die IV K zurück und die I K fuhr allein mit dem Sachsenzug nach Oybin. Die Fahrt mit den vier Wagen wurde allerdings zur Quälerei für die Lok, so daß entschieden wurde, bei den folgenden geplanten Fahrten immer mit I K und IV K zu fahren. Im Anschluß an diese Probefahrt verblieb die I K für ein paar Tage im Bertsdorfer Heizhaus.

Pünktlich am Freitag, dem 6. August, erreichte auch der „Bertsdorfer Neuzugang“, die HF 130C von Jörg Seidel, den Bahnhof Bertsdorf. Am Abend begann mit der Einfahrt des Sachsenzuges die Eröffnungsveranstaltung im Bf. Bertsdorf. Nach den Grußworten erfolgte die Übergabe des Schildes „Dampfbahn-Route“ an den Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen. Im Anschluß daran wurde der langjährige Vorsitzende des ZVON, Herr Dr. Georg Janetzki, in den bevorstehenden Ruhestand verabschiedet. Als drittes Hauptthema des Abends überreichte der Präsident der Landesdirektion Dresden, Herr Dr. Henry Hasenpflug, die Stiftungsurkunde für die Stiftung „Sächsische Schmalspurbahnen“ an Dr. Andreas Winkler (siehe auch Bericht und Fotos im PK 115). Mit der Ausfahrt der I K aus dem Lokschuppen Bertsdorf wurde die „Historik Mobil 2010“ offiziell eröffnet. Bis spät in die Nacht wurde im Bahnhofsgelände bei Live-Musik gefeiert. Der VT 137 322 pendelte in dieser Nacht mehrmals nach Zittau Vorstadt und der Sachsenzug mit I K und IV K nach Oybin sowie Jonsdorf. Den Abschluß der Veranstaltung bildete wie immer ein Höhenfeuerwerk.

Nach einer durchregneten Nacht öffnete der Himmel in den frühen Morgenstunden des 7. August dann seine Schleusen und es regnete bis gegen 9 Uhr teilweise sintflutartig. Das hatte zur Folge, daß innerhalb kürzester Zeit und ohne Vorwarnung alle kleinen und großen Bäche im Gebirge zu reißenden Strömen anschwollen und die Orte Olbersdorf, Oybin und Jonsdorf in wenigen Minuten unter Wasser setzten. Der erste Zug nach Jonsdorf wurde von der Feuerwehr im Bf. Olbersdorf Oberdorf gestellt, da der Bahndamm an der Bahnhofsausfahrt weggespült zu werden drohte. Der ihm folgende Zug nach Oybin beendete in Zittau Vorstadt seine Fahrt ins Gebirge. Beide Züge kehrten unversehrt nach Zittau zurück. Der bereits am Bahnsteig bereitgestellte Sachsenzug wurde wieder zurückgedrückt, nachdem kurz vor 10 Uhr der Bahnverkehr aus Sicherheitsgründen durch die Betriebsleitung eingestellt und das Fest abgebrochen wurde.

Im Tagesverlauf standen dann auch die Stationen Zittau Süd, Olbersdorf Oberdorf, Oybin Niederdorf und Jonsdorf Haltestelle teils vollständig unter Wasser. Die Strecke nach Oybin wurde im Bereich Teufelsmühle von einem abgegangenen Hang auf einigen dutzend Metern Länge verschüttet. Im Bahnhof Oybin brach im oberen Bahnhofskopf der Hang zur Straße herab und verschüttete die Gleise in diesem Bereich. Dabei versanken auch die dort abgestellten Wagen 97-13-37, 974-104 und 970-616 teilweise bis zu den Achsen im Schlamm und Wasser. Die Kellerräume des Bertsdorfer Stellwerkes liefen voll Wasser. Ebenso war im Keller des Empfangsgebäudes von Bertsdorf Wassereinbruch zu verzeichnen. Seitdem ruhen hier die begonnenen Bauarbeiten. Zeitgleich spielten sich in den umliegenden Städten und Gemeinden weitaus schlimmere Szenen ab, bei denen viele Einwohner ihr ganzes Hab und Gut verloren.

Nachdem sich die Wetterlage am Sonntagmorgen beruhigt hatte, nahm die SOEG mit der 199 013 von Bertsdorf nach Jonsdorf und der 99 787 von Zittau nach Bertsdorf Erkundungsfahrten vor. Erst als durch die Betriebsleitung die Befahrbarkeit der Strecke festgestellt wurde, trat am Nachmittag ein Notfahrplan in Kraft, welcher auch am folgenden Montag galt. Dabei pendelten zwei Züge zwischen Zittau und Jonsdorf. Ab Dienstag, dem 10. August, war auch wieder die Strecke nach Oybin befahrbar und der normale Fahrplan galt wieder. Für das Wochenende 16./17. Oktober ist nun ein „Benefiz Historik Mobil“ geplant, um in der Region ein Zeichen zu setzen und vom Hochwasser Betroffenen zu helfen. An diesem Wochenende wird erneut auch die I K Nr. 54 in Zittau zum Einsatz kommen. Für den Monat November ist die Beseitigung der Hochwasserschäden an der Strecke und im Bf. Oybin geplant. Dann soll auch der GGw 97-13-37 geborgen werden.

T. Bartsch


aktueller Preß'-Kurier | Artikel älterer Ausgaben